Putins Russland – der Wahnsinn „von Lissabon bis Wladiwostok“

Dugin

 

Krieg im Donbas, Russland

Quelle: Sprotyv.info, 5. Mai 2015

Von Lissabon bis Wladiwostok

2010 veröffentlichte die „Süddeutsche Zeitung“ den Artikel „Plädoyer für eine Wirtschaftsgemeinschaft von Lissabon bis Wladiwostok“ des Regierungsvorsitzenden der Russischen Föderation – von Wladimir Putin. In diesem Artikel des russischen Ministerpräsidenten teilte er den Lesern der Zeitung seine Sicht und die „Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Russland und der EU“ mit, die nach seiner Meinung aus folgenden Notwendigkeiten bestanden:

  • Die Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok;
  • Eine gemeinsame Industriepolitik (faktisch die Schaffung von Bedingungen, damit Russland Zugang zu führenden europäischen Technologien erhält);
  • Die Schaffung eines einheitlichen Energiekomplexes für Europa (das heißt, die Erhöhung der Energieabhängigkeit Europas von Russland);
  • Die Verstärkung der wissenschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Russland und Europa (das heißt, das „Auferstehen“ der russischen Wirtschaft durch europäische Wissenschaftler);
  • Die Aufhebung der Visaregelung zwischen Russland und der EU.

Die Beteiligung des Kremlregimes an der bewaffneten Aggression gegen die Ukraine brachte gewisse Hindernisse beim Ausbau der Moskauer Einflusssphäre in Europa durch die schöne Floskel „von Lissabon bis Wladiwostok“ mit sich.

Heute in der EU:

  • Mit Sondermaßnahmen wird die Energieabhängigkeit von der Russischen Föderation verringert;
  • Russland ist vom Zugang zu modernen Technologien im für sie kritischen Energiebereich ausgeschlossen;
  • Sogar Vertretern der russischen Machtelite werden keine Visa mehr erteilt, wodurch sie nicht nach Europa reisen können.

 

Außerdem beginnt man in der EU, das Ausmaß der russischen Propaganda zu verstehen und Mechanismen einzuführen, um dem russischen Informationseinfluss auf empfindliche Köpfe in Europa entgegenzuwirken.

 

Die Vernichtung des Westens in seiner derzeitigen Form als Zivilisation

Gleichzeitig bleiben unter den Europäern (einschließlich Geschäftsleuten) manche Anhänger, die eine stärkere Zusammenarbeit mit der Russischen Föderation wünschen. Die Wahrheit über diese Liebe zu Putins Russland erklärt sich aus Ignoranz und politischer Verantwortungslosigkeit, die durch Geiz gestärkt wird, sowie der Unwissenheit über die realen Beziehungen zu ihnen seitens Vertreter des Kremlregimes und der Perspektiven einer solchen Zusammenarbeit.

Daher ruft das Unverständnis europäischer Politiker und Geschäftsleute über die Gefahr dieser Liebäugelei mit dem heutigen Russland von Putin besondere Sorge hervor.

Hierzu passen Zitate aus dem Artikel „Demontage der Zivilisation“ von Alexander Bowdunow – Föderationskommissar des Euroasiatischen Jugendbunds (der Jugendorganisation innerhalb der internatonalen Euroasiatischen Bewegung von A. Dugin) und Dozent an der soziologischen Fakultät der Moskauer Staatsuniversität. Interessant dabei ist, dass relativ neues Material (vom 13. Januar 2015) die Schritte beschreibt, nach denen Russland seine Konfrontation mit dem Westen (Europa) betreibt. Obwohl das Kremlregime solche Schritte faktisch seit mehreren Jahren umsetzt, ist es wichtig, den Artikel von Bowdunow als Feststellung vollendeter Tatsachen zu sehen.

Die weiter aufgeführten Zitate sollten nicht nur Gegner, sondern auch Anhänger von Putins Russland interessieren.

„… Folglich, um einen Krieg im Internet zu führen, brauchen wir Organisations- und Nachrichtennetze. Woher sollen sie kommen? Man kann bereits bestehende Netze nutzen. In diesem Fall werden wir auf gewisse Ideen beschränkt sein, die die Basis dieser Netze bilden. Man muss sie noch unter unsere Kontrolle bringen. Man kann versuchen, eigene Netze auf dem Territorium des Gegners zu gründen. Das ist zwar schwierig, aber es werden bereits unsere Netze sein, die wir von Anfang an kontrollieren.

Um klar zu machen, was unsere direktem Ziele sind, und um zu verstehen, was der Doktrin unseres Krieges in Europa zugrunde liegt, ist es wichtig, den Sinn dieses Krieges und das Wesen dieses Konflikts zu sehen. Der Konflikt zwischen Russland und dem Westen hat zwei bedeutende Dimensionen: eine geopolitische und eine zivilisatorische. Die Rolle der zivilisatorischen Dimension wächst in letzter Zeit, so dass die Rede immer mehr über einen Konflikt zwischen den Zivilisationen geht. Weil die Basis der zivilisatorischen Dimension nicht weiter reduzierbar als ein Zueinander oder Gegeneinander ist, kann die endgültige Lösung dieses zivilisatorischen Konflikts nur in der Vernichtung seiner Beteiligten liegen. Damit werden die Voraussetzungen des Konflikts beseitigt.

Auf diese Weise, durch die Anerkennung eines zivilisatorischen Charakters des Konflikts zwischen Russland und dem Westen, sehen wir unser Ziel in der Vernichtung des Westens in der heutigen Form als Zivilisation. Entsprechend ist es notwendig, unter Anwendung der bereits bestehenden Netze, jenen einen Vorteil zu verschaffen, die sich an und für sich sowieso auf die Zerstörung der derzeitigen europäischen zivilisatorischen Identität richten.

In dieser Form sollen totalitäre Sekten, Separationsbewegungen, Nationalisten und Rassisten, Anarchisten und Globalisierungsgegner, radikale Ökologen, Euroskeptiker, Isolationisten, illegale Migranten und so weiter auftreten.“

Neonazis, rassistische Euroskeptiker und Separatisten

Natürlich könnte man all dem oben gesagten deshalb nicht zustimmen, weil Bowdunow nur ein Dozent an der Moskauer Staatsuniversität ist, und dazu noch an der soziologischen Fakultät. In gleicher Weise spielten Dugin, die Moskauer Staatsuniversität und die internationale Euroasiatische Bewegung bei weitem nicht die einzige Rolle bei der Gründung von Netzwerken und Einflussagenten in Europa, die sich auf die Zerstörung der EU und die Stärkung der geopolitischen Position der Russischen Föderation in Europa richten. Es ist bemerkenswert, dass Russland, als „Hauptfeind gegen den Faschismus“, nicht davor Halt macht, bei seiner Aufgabe, die EU zu vernichten, gerade Faschisten und Neonazis, sowie rechte und linke Parteien und Organisationen zu nutzen. Die Gewinnung von rechten (ultrarechten) Kräften für diese Sache begann erst vor relativ kurzer Zeit (mit Putin). Und bei der Arbeit mit europäischen linken Kräften nutzte Russland die Agentenseilschaften noch aus der Zeit der UdSSR.

Um sein Ziel zu erreichen, zeigt das Kremlregime eine merkwürdige politische Beliebigkeit. Und die Individuen, die mit dem Kreml zusammenarbeiten, sind merkwürdige Schwachsinnige, die kein historisches Gedächtnis haben, habgierig und politisch unverantwortlich sind.

1.) Das polnische Beispiel

In Polen gibt es ein Agentennetz unter dem Einfluss des Kremls: Organisationen teilweise aus dem linken und teilweise aus dem rechten Spektrum.

Die linke Flanke ist die Partei „Zmiana“ (Wechsel), die im Winter 2014/15 gegründet wurde (mit dem Ziel, bei den Parlamentswahlen im Herbst 2015 anzutreten). Die Partei will nicht, dass Polen ein „Kettenhund Amerikas“ wird; sie steht gegen eine NATO- und EU-Mitgliedschaft; aber auch für eine engere Zusammenarbeit mit Nachbarn wie der Russischen Föderation und Weißrussland (die Ukraine ist offenbar kein Nachbar Polens).

Der Parteichef ist kein unbekannter – Mateusz Piskorski, ein Freund des Kremls und der Eurasier von Dugin.

Zu ihren politischen Partnerparteien zählen in Europa „Die Linke“ (BRD) und die Koalition der Radikalen Linken SYRIZA (Griechenland) ebenfalls zu den Freunden Moskaus.

  1. Piskorski nahm relativ interessante Personen in die Parteiverwaltung auf:
  2. Becker – stellvertretender Parteichef von „Zmiana“, im Nebenberuf Chef der faschistischen (im Parteisinn linken!) Organisation „Phalanx“, Redakteur des Internetportals „X-portal“ und Freund und Verehrer von B. Assad, M. Gaddafi, A. Sachartschenko und D. Puschilin.
  3. Renkas – stellvertretender Parteichef, im Nebenberuf Vizepräsident des pro-russischen Expertenprojekts in Polen „Europäisches Zentrum für geopolitische Analysen“ und Chef der Organisation „Ostpolnische Treuhandschaft“.
  4. Jankowski – Parteisekretär, im Nebenberuf Vorstandssekretär des Verbands „Ukrainisches Komitee“ (im Frühling 2015 gegründet).
M. Piskorski (recht) mit ". Korowin (den Anführer der "Eurasischen Jugend" Dugins - Bildmitte) 2005 in Moskau

M. Piskorski (recht) mit W. Korowin (Anführer der “Eurasischen Jugend” Dugins – Bildmitte) 2005 in Moskau

Außerdem hängt auch die Organisation „Stoppschild“ mit der Partei „Zmiana“ und M. Piskorski zusammen, die gegen das amerikanische Raketenabwehrsystem in Polen eintritt, sowie das Internationale Institut für Neue Staaten (eine internationale Nichtregierungsorganisation mit Hauptsitz in Moskau).

Was das „Ukrainische Komitee“ betrifft, sind im Vorstand dieses neuen Verbands: M. Piskorski, J. Z. Kaminski (Vorstandsvorsitzender des Internationalen Instituts für Neue Staaten), B. Becker und T. Jankowski. Die Organisation erklärt, dass sie im Interesse der „Entwicklung der polnisch-ukrainischen Beziehungen“ handelt und dazu unter anderem auf Bestellung des Kremls periodisch in Warschau anti-ukrainische Aktionen anlässlich der tragischen Ereignisse in Odessa am 2. Mai 2014 durchführt.

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Die rechte Flanke des russischen Netzes in Polen ist durch folgende Parteien und Organisationen vertreten:

  1. Die Partei „Nationalbewegung“, die zu den Euroskeptikern zählt. Sie arbeitet eng mit der ungarischen ultrarechten Partei „Jobbik“ zusammen, die mit russischem Geld finanziert wird. Seinerseits haben die wichtigsten Figuren von „Jobbik“ direkten Kontakt zu Dugin.
  2. Die nationalistische Vereinigung „Lager von Großpolen“ arbeitet mit der russischen Bewegung „Volksdom“ zusammen. Anhänger dieses „Lagers“ wurden auch in der „Donezker Volksrepublik“ gesehen.
     „Lager von Großpolen“

    „Lager von Großpolen“

Quelle: Sprotyv.info, 5. Mai 2015

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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