Sowjet-Nazi-Kollaboration und der Zweite Weltkrieg

Motyl

 

9. Mai 2015 • Analytik und Meinungen, Empfehlung, Krieg im Donbas, Meinung & Analyse, Politik, Russland

Artikel von: Alexander J. Motyl
Quelle: World Affairs Journal, Alexander J. Motyls Blog (30. April 2015)

Da der 9.Mai, in vielen post-sowjetischen Staaten der Tag des Sieges, naht, gebietet es der Anstand, dass wir die Niederlage von Adolf Hitlers Deutschland feiern und die Millionen Soldaten und Zivilisten ehren, die ihr Leben gegeben haben, um die Welt von der Geißel des Nazismus zu befreien.

Wollen wir die Toten wirklich ehren, müssen wir gleichzeitig auf die Geschichtslügen achten, die der Kreml sowohl in sowjetischen als auch in post-sowjetischen Hypostasen über die Beziehungen der UdSSR mit Nazi-Deutschland unterstützt.

Anfangs machte die von Moskau kontrollierte Kommunistische Internationale und ihre Handlangerin, die Kommunistische Partei Deutschlands, Hitlers Machtaufstieg möglich, wenn nicht sogar unausweichlich,, indem sie die deutschen Sozialdemokraten als „soziale Faschisten“ anschwärzten, die drohten, das Proletariat zu spalten, und daher ein größeres Übel wären als die Nazis. Wäre die deutsche Linke gegen die wahre Bedrohung – Nazismus – vereint geblieben, wäre Hitler vielleicht nicht an die Macht gekommen. (Viele Linke machen heute einen ähnlichen Fehler, wenn sie Wladimir Putins Faschismus dem amerikanischen Kapitalismus vorziehen und dadurch einen Krieg in Europa fördern.)

Und dann ist da die Sache mit dem berüchtigten Molotow-Ribbentrop Pakt von 1939. Der Teil, der Nazi-Deutschland und die UdSSR zu einem gegenseitigen Nichtangriffspakt verpflichtete, ist wohl vertretbar im Lichte des Moskauer Bestrebens, einen möglichen deutschen Angriff abzuwenden.

Was absolut nicht vertretbar ist, ist das geheime Zusatzprotokoll, das zur Teilung Polens im September 1939 und zum darauffolgenden sowjetischen Angriff auf und Angliederung Estlands, Lettlands und Litauens führte. Das war schlicht und einfach Imperialismus, obwohl die Sowjets natürlich behaupteten, dass sie die Gebiete von der „faschistischen“ Herrschaft „befreiten“ (klingt vertraut?).

Mehr als unvertretbar – in Wahrheit zutiefst kriminell – war Moskaus Kotau und begeisterte Unterstützung des Hitlerstaates und seiner Wirtschaft von 1939-41, genau zu der Zeit, als die Nazis Polen töteten, Juden ausgrenzten und damit die Grundlagen für den Holocaust schufen. Weil die UdSSR mit den Nazis kollaborierte, trägt sie einen großen Teil der Verantwortung für den Zweiten Weltkrieg und die gewaltige Zerstörung, die Deutschland über Osteuropa im Allgemeinen und über osteuropäische Juden im Besonderen brachte.

Während der zwei Jahre, in denen die Sowjets in der Westukraine (dem ehemaligen Ostpolen) herrschten, zerstörten sie übrigens die Zivilgesellschaft, schufen alle politischen und bürgerlichen Rechte ab, deportierten hunderttausende Polen, Juden und Ukrainer nach Sibirien und ermordeten obendrein ca. 20.000 bis 30.000 politische Gefangene in der Woche nach dem Angriff der Nazis im Juni 1941. (Ungefähr 70% waren Ukrainer, 20% Polen und mehr als 5% Juden). Ein Genickschuss war nicht genug. Die sowjetische Geheimpolizei erfand ausgeklügelte Foltermethoden für ihre hilflosen Opfer: Nasen, Zungen, Brüste und Genitalien wurden abgehackt; die Haut mit siedendem Wasser verbrüht und abgezogen; Gefangene lebendig begraben. In einer Stadt wurden hunderte Gefangene, einige davon bereits tot, andere noch am Leben, in den Schacht einer Salzgrube gekippt. Die sowjetische – und auch die aktuelle russische – Bezeichnung für diese Gräueltaten ist „Der Große Vaterländische Krieg“, ein Begriff, der praktischerweise die zwei Jahre schändlicher Kollaboration und den direkten Beitrag der UdSSR zum Zweiten Weltkrieg und zum Holocaust ausblendet.

Passend zur vorherrschenden stalinistischen politischen Kultur in Putins Russland wollen seine Neonazi Biker-Kumpels, die Nachtwölfe, den Tag des Sieges begehen, indem die den Weg der Roten Armee von Russland nach Berlin nachfahren. In ebenso angemessener Weise haben Polen und Deutschland ihnen die Erlaubnis verweigert, das Gebiet zu durchqueren. (Von solchen Rechtsauffassungen unbeeindruckt, reisten die Wölfe trotzdem am 26.April in Polen ein.) Westliche Staaten haben es abgelehnt, an den Feierlichkeiten des Tags des Sieges in Moskau teilzunehmen.

Alexander J. Motyl

Alexander J. Motyl

Der Westen sollte die Ereignisse des Jahrestages nicht nur wegen Putins Invasion in der Ukraine boykottieren. Er sollte es tun, da die Siegesfeiern eine Flut von Verbrechen vertuschen, die zusammen mit Putins Regime verurteilt werden sollten.

Artikel von: Alexander J. Motyl
Quelle: World Affairs Journal, Alexander J. Motyls Blog (30. April 2015)

Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam Deutsch

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