Nationalistische Organisation “Trysub” droht LGBT-Aktivist*innen

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Artikel von: Kolja Camouflage
Quelle: Bündnis für Homosexuelle in der Ukraine

Die nationalistische Organisation „Trysub“ (Dreizack), ihres Zeichens für die Gründung des „Rechten Sektors“ verantwortlich, begnügt sich nicht länger mit Gewaltaufrufen gegen die LGBTI-Gemeinde – und droht deren Mitgliedern nun mehr oder weniger offen.

„Die Hoffnung der Degenerierten, dass sie ungestraft ihren Lastern frönen können, werden sich letztendlich als vergeblich herausstellen! Trotz des Krieges im Osten des Landes führen rechte Aktivisten schon heute im Hinterland ernstzunehmende Aktionen durch (etwa die Attentate auf Buzina und Kalaschnikow oder die kürzlich erfolgte Hinrichtung von zwei Berkut-Mitarbeitern). Man muss für alles büßen – auch für den moralischen Verfall unserer Gesellschaft!“, heißt es auf der Internetseite der Organisation.

Die nächste homophobe Erklärung gaben die Rechtsradikalen anlässlich des Beginns der Informationskampagne des Bündnisses für Homosexuelle in der Ukraine mit dem Titel „Sag es richtig“ (Говори правильно): „In der Stadt Krywyj Rih haben die Entarteten eine Plakatwand mit Schwulenpropaganda aufgestellt. Die Plakate bezeichnen die Perversen nicht als Päderasten, Sodomiten oder Schwuchteln, sondern als Homosexuelle,“ beschweren sich die Nationalisten.

„Sehr bezeichnend ist die graphische Gestaltung der Plakate: Zwei normale Paare werden in Grautönen dargestellt, während die Päderasten in Farben daherkommen,“ will die Erklärung festgestellt wissen. Bezeichnend daran ist der Umstand, dass die Sichtweise der „Dreizackler“ sich kaum von der offiziellen Lesart der Internetseite LifeNews unterscheidet – einem der Sprachrohre russischer Propaganda, welches sich zuvor schon des Themas annahm und davon schrieb, dass im Hintergrund der farbigen Darstellung zweier sich umarmender Männer „die traditionellen Paare buchstäblich zu einer Schwarzweiß-Aufnahme verblichen sind“.

Dass die „vaterländischen Liberasten“ den Krieg im Osten des Landes zur Intensivierung ihrer Tätigkeiten ausnutzen, davon sind die Dreizackler überzeugt. Derzeit sind die maßgeblichen Kräfte der nationalistischen Bewegung damit beschäftigt, sich der russischen Aggression entgegenzustellen, weshalb sie keine Zeit haben „solcher Umtriebe“ habhaft zu werden, doch Mitglieder der rechtsradikalen Szene versichern, dass der Tag der Abrechnung kommen wird.

Eine ähnliche Aussage findet sich auch auf der Homepage des „Rechten Sektors“.

Es lohnt sich, daran zu erinnern, dass Trysub nach Stepan Bandera benannt und 1994 von Dmitrij Jarosch gegründet wurde. Seitdem hat Jarosch innerhalb der Organisation verschiedene Posten innegehabt. Es war die Organisation Trysub, die nach dem 30. November (2013) die Gründung des „Rechten Sektor“ veranlasst hat, zu jener Zeit also, als zum ersten Mal die gewaltsame Niederschlagung des Euromaidan unternommen wurde. Damals umfasste der „Rechte Sektor“ unter anderem Mitglieder des Trysub, Angehörige der UNA-UNSO (Ukrainische Nationalversammlung – Ukrainische Nationale Selbstverteidigung) sowie der Karpaten-Sitsch, und es war Jarosch, der den Zusammenschluss zuwege brachte.

Artikel von: Kolja Camouflage
Quelle: Bündnis für Homosexuelle in der Ukraine

Bild: wordpress.com
Übersetzt von: Euromaidan Press Übersetzerteam

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