Lesbenalarm? Brigitte Bardot im Bett mit Marine Le Pen?

screenshot aus Nordpresse.be

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Russland

Artikel von: Anti-Fascistisch Front – Verzet, 21.06.2015
Quelle: aff Blog
Quelle: Nordpresse.be

Über die neue Fraktion im EU-Parlament machen sich auch die Belgier so ihre Gedanken – teils ernsthaft, teils satirisch. Wie zum Beispiel dieser blogpost der belgischen Antifaschistischen Front, der uns zu den dicken Nazi-Wurzeln des Vlaams Belang führt. Entsprechende, für das Verständnis wichtige Erläuterungen haben wir eingefügt.

Die belgischen Antifas schreiben:

„Die Pressekonferenz, auf der die neue rechtsextreme Fraktion im EU-Parlament angekündigt wurde, führte zu einer großen Anzahl von Artikeln über Parteien und der neuen Fraktion. Zwei bemerkenswerte Reaktionen wollen wir unseren Lesern nicht vorenthalten.

Marine Le Pen verbindet sich offiziell mit den flämischen Nostalgikern des Deutschen Reiches, titelt Marcel Sel und erinnert an das „Franse ratten rol uw matten“ [Anm. d. Übers.: „Französische Ratten, haut ab.“ Standardsprechchor der flämischen Nationalisten gegen ihre wallonischen Landsleute im Sprachenstreit.]

Die braunen Wurzeln des Vlaams Belang und seiner Mitglieder

Zum Beispiel: Karel Dillen (Gründer des Vlaams Belang), der 1951 ein negationistisches [Anm. d. Übers.: den Holocaust leugnendes] Buch aus dem Französischen übersetzte und im gleichen Jahr an einem umstrittenen Kongress in Malmö teilnahm. [Anm. d. Übers.: wie das Berliner apabiz schreibt, war diese Konferenz „der erste Nachkriegsversuch, der Idee des Faschismus auf europäischer Ebene eine neue Legitimation zu verleihen. Treibende Kräfte waren Vertreter der Kollaboration mit dem Nationalsozialismus und der europäischen Verbände der Waffen-SS.“] Weiter gibt es die Ehrenbezeugung für Staf De Clerq auf der durch den VB seit 2004 organisierten Ijzerwake [Anm. d. Übers.: Staf De Clerq (1884-1942) war ein flämischer Ultranationalist, der mit den Deutschen kollaborierte und für weite Teile der belgischen rechten Szene heute noch Identifikationsfigur ist, dessen regelmäßig mit Ehrenbezeigungen gedacht wird]. Die Ijserwake (Wache an der Yser) ist eine rechtsextreme Abspaltung der traditionellen Ijserbedevaart (Wallfahrt an der Yser), letztere ist heute bunt und multikulturell.

Sie erinnert an die Schlacht am Fluss Yser/Ijser als Bestandteil der sog. „Ersten Flandernschlacht“ (Okt.-Nov. 1914), bei der die – von den Deutschen als „Praliné-Soldaten“ verspotteten und schwer unterschätzten – belgischen Soldaten unter extrem hohen Verlusten länger als erwartet die Stellung hielten. Das Gedenken an diese Schlacht wurde zum wichtigen Identifikationsereignis für die Flämische Bewegung, da es sich bei den Verteidigern an der Yser/Ijser um mehrheitlich Flamen handelte. Nach Meinung der flämischen Nationalisten kamen die hohen Verluste nicht durch die militärische Lage zustande, sondern weil die Flamen von ihren wallonischen Offizieren diskriminiert und teilweise mißhandelt worden seien. Die Übermittlung von Befehlen sei schwierig gewesen, da zur damaligen Zeit die französische Sprache noch die alleinige Befehls- und Kommandosprache war, die nicht alle der flämischen Soldaten verstanden hätten. Zum Schluß hätten die Wallonen ihre flämischen Kameraden im Stich gelassen. Je weiter rechts, desto extremer wird die Geschichte erzählt). Dann gibt es noch den 2010 wegen Holocaustleugnung verurteilten damaligen stellvertretenden Vorsitzenden des VB, Roeland Raes, das jährliche Gedenken an August Borms.

August Borms, rechts, grüßt auf der Ijserbedevaart 1941 mit dem Hitlergruß.

August Borms, rechts, grüßt auf der Ijserbedevaart 1941 mit dem Hitlergruß.

Flamenikone Dr. August Borms

[Anm. d. Übers.: August Borms ist eine weitere Identifikationsfigur der flämischen Nationalisten. Er hat es geschafft, zweimal wegen Kollaboration mit den Deutschen von seinen Landsleuten zum Tode verurteilt zu werden: nach Kollaboration mit den Deutschen im Ersten Weltkrieg wurde er das erste Mal 1919 wegen Angriffs auf die belgischen staatlichen Strukturen, Kollaboration mit den Deutschen und Mitwirkung an der Entführung und langjährigen Einkerkerung von mindestens sieben Landsleuten in Deutschland durch den Brüsseler Assisenhof (Schwurgericht) zum Tode verurteilt. Bereits nach sechs Monaten wird das Urteil in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt. Borms wird zu einer der Ikonen der flämischen Unabhängigkeitsbewegung. Nachdem 1928 ein Antwerpener Abgeordneter stirbt, werden Nachwahlen angesetzt, bei der Borms gegen einen liberalen Kandidaten und den kommunistischen (stalinistischen) Kandidaten Jef Van Extergem, der ebenfalls aus politischen Gründen für 20 Jahre im Gefängnis sitzen sollte, und der es schaffte, gleichzeitig Kommunist und flämischer Ultranationalist zu sein, antritt. Borm gewinnt die Wahl haushoch. Da man, als Lebenslänglicher der bürgerlichen Ehrenrechte verlustig, sich – wegen einer Lücke in der Gesetzgebung – zwar zur Wahl stellen, aber kein Mandat bekleiden kann, wird Borms – von offensichtlich sympathisierenden Entscheidern – frei gelassen und kann sein Mandat antreten.]
screenshot vom Twitter-Account von Gerolf Annemans

screenshot vom Twitter-Account von Gerolf Annemans

Text des Tweets: Bormsgedenken in Merksem. Die Batterien des flämischen Nationalismus an der Quelle aufgeladen.

Im Zweiten Weltkrieg stand Borms zwar nicht mehr so im Vordergrund, doch seine Aktivitäten konnten sich sehen lassen: durch seine Anwesenheit bei den feierlichen Abmärschen belgischer Ostfrontkämpfer (derer die belgische Rechte bis heute gedenkt), durch seine Anwesenheit und Redebeiträge bei pro-deutschen Veranstaltungen, sowie den Vorsitz einer „Entschädigungskommission“ band er die flämischen Nationalisten an die Besatzer. Diese Entschädigungskommission hatte die Aufgabe, allen bestraften Kollaborateuren des Ersten Weltkriegs eine Entschädigung zuzuschanzen. Borms bediente sich mit einer Einmalentschädigung von 1.050.000 Franc und einer jährlichen Pension von 281.000 Franc. Wer mag, kann das in heutige Kaufkraft umrechnen. Nach dem Krieg wurde Borms erneut vor Gericht gestellt, wieder zum Tode verurteilt und am 12. April 1946 in einer Polizeikaserne in Etterbeek hingerichtet.

Wie gesagt, besonders engagiert beim Borms-Gedenken sind illustre Namen des Vlaams Belang, wie Krim-Wahlbeobachter Jan Penris, oder der Gründer des „Nachrichtendienstes“ KOSMOS – ein Akronym für: (Kring voor het Onderzoek naar de Socialistische en Marxistische (later: Multiculturele) Ondermijning van onze Samenleving – Kreis zur Untersuchung der Sozialistischen und Marxistischen/später multikulturellen Unterminierung unserer Gesellschaft), der mittlerweile verstorbene ex-Linke/ex-Anarchist Luk Dieudonné, oder – für unsere Betrachtungen am interessantesten: der ehemalige VB-Vorsitzende und jetzige Fraktionskollege von Marine Le Pen, Gerolf Annemans.)

Gerolf Annemans bringt den gesamten flämischen Nationalismus, und besonders den Vlaams Belang zurück in die Geschichte eines Mannes, der zweimal wegen Kollaboration zum Tode verurteilt wurde, und beim zweiten Mal auch tatsächlich hingerichtet wurde. Ein feiner Freund für Marine Le Pen.“

Soweit die Antifaschistische Front.

Und was ist mit dem Lesbenalarm?

Nein, natürlich war Bardot nicht mit LePen im Bett! Vielleicht ahnte es der oder die Eine oder andere schon: Satire!

Die kleinen Körnchen Wahrheit sind folgende: Marine Le Pen umgibt sich demonstrativ mit homosexuellen Parteimitgliedern, böse Zungen behaupten, um Pappi zu ärgern, mit dem sie ja im Clinch liegt. Und Brigitte Bardot ist seit den 90er Jahren verheiratet mit einem führendend Mitglied des FN, Unterstützerin des FN, mehrfach wegen Anstiftung zum Rassenhass verurteilt. Sie positioniert sich mit den üblichen rechten Themen. Gegen Islamisierung, Schächten, Flüchtlinge, Moderne Kunst, Fast Food und die „Verweichlichung der Männer“. Ein 2004 veröffentlichtes Buch, „Schrei aus der Stille“ brachte ihr zwar hohe Verkaufsziffern, aber auch eine erneute Verurteilung ein.

Das belgische Pendant zum Postillon, Nordpresse.be, hat die Satire in Umlauf gebracht, nachdem der Betreiber der Seite letztes Jahr bereits die russische Medienlandschaft erfolgreich verar****, an der Nase herumgeführt hatte: eine Fake-Nachricht, dass, bei einer Sex-Orgie von 200 Teilnehmern im belgischen Charleroi, bei der nur Senior*innen älter als 65 hätten teilnehmen dürfen, sieben Teilnehmer gestorben seien. Eine Seniorin habe es auf 35 Sexpartner gebracht. Laut Yandex.ru sei die Story in 130 Medien, darunter auch in der Regierungszeitung Rossiiskaja Gazeta und der gemäßigt Kreml-nahen Website Lenta.ru, erschienen und schlussfolgert richtig, dass man, wenn man einen fortwährenden west-kritischen Nachrichtenstrom aufrecht erhalten müsse, man eben halt auch gefährdet sei, auf Fakes hereinzufallen, wie z.B. auch die, „Game of Thrones“ nachempfundene angebliche Kreuzigung eines Dreijährigen.

Wer wollte dem widersprechen…

Artikel von: Anti-Fascistisch Front – Verzet, 21.06.2015
Quelle: aff Blog
Quelle: Nordpresse.be

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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