Verbindungen zwischen Charleston-Mörder und Rechtsextremisten-Konferenz in St. Petersburg aufgedeckt

Jared Taylor spricht auf dem russischen „Konservativen Forum“ in St. Petersburg im März. © Olga Maltseva/Getty Images

Jared Taylor spricht auf dem russischen „Konservativen Forum“ in St. Petersburg im März. © Olga Maltseva/Getty Images 

25. Juni 2015 • Politik, Russland

Artikel von: Max Seddon, buzzfeed
Quelle: Buzzfeed.com 23. 6. 2015
Quelle: RFE/RL (Deana Kjuka), 24. 6. 2015

Jared Taylor und Sam Dickson, Mitglieder des den White Supremacists zugerechneten „Council of Conservative Citizens“ wurden von der kremltreuen, ultranationalistischen „Rodina“-Partei zu einem chaotischen , rechtsextremistischen Forum im März diesen Jahres eingeladen. In seinem vorab im Internet veröffentlichten Manifest gibt der Täter an, er habe gelesen, was sie geschrieben hätten und es habe ihn verändert.

[Vorbemerkung d. Übers.: „White supremacists“ predigen eine – notfalls mit Gewalt durchzusetzende – „Vorherrschaft der weißen Rasse“. Ihre bekannteste Gruppierung ist der KuKluxKlan, ein besonders von pseudolinken Verschwörungstheoretikern und pro-Kreml-Seiten/Truther-Seiten gerne zitierter Vertreter oder Autor ist Paul Craig Roberts.

Das renommierte, antirassistische Southern Poverty Law Center hat über den „Council of Conservative Citizens“ einen ausführlichen Bericht veröffentlicht. Auch dort ist, wie der letzte Absatz zeigt, der Auftritt in St. Petersburg bereits bekannt. Mittlerweile habe die Organisation auf ihrer Website verkündet, daß sie zwar die Morde verurteile, einige seiner Positionen jedoch für legitim halte:

„Wir verurteilen Roofs abscheuliche Morde, doch sie lenken keinen Milimeter davon ab, daß einige der Positionen, die er zum Ausdruck brachte, legitim sind.“

Diese Position vertrat sie ebenfalls in einem Interview mit ABC.

In einem vor der Bluttat auf seiner – auf einem russischen Server gehosteten und mittlerweile deaktivierten – Website veröffentlichten „Manifest“ gibt der mutmaßliche Täter von Charleston, Dylann Roof, bereits im 2.  Absatz an, das, was er auf der Website des „Council of Conservative Citizens“ gelesen habe, ihn verändert habe. Er schreibt:

„Das, was mich wirklich aufgeweckt hat, war der Travyon-Martin-Fall.“

Ein unbewaffneter, schwarzer Teenager war von einem Weißen namens Zimmerman erschossen worden. Dieser war letztendlich freigesprochen worden.

„Ich hörte und las andauernd seinen Namen, und letztendlich entschied ich mich, mir das anzusehen. Ich las den Wikipedia-Artikel und ich konnte nicht verstehen, was daran jetzt so aufregend war. Es war offensichtlich, daß Zimmerman im Recht war. Doch wichtiger noch: es brachte mich dazu, nach „Verbrechen von Schwarzen an Weißen“ zu googeln. Seit diesem Tag bin ich nicht mehr derselbe. Die erste Seite, auf die ich kam, war die Seite des Council of Conservative Citizens. Dort gab es Seiten über Seiten über brutale Morde von Schwarzen an Weißen. Ich konnte es nicht glauben! In diesem Moment begriff ich, daß etwas sehr falsch lief: Wie konnte es sein, daß die Nachrichtenden Fall Travyon Martin so aufgeblasen hatten, während Hunderte von diesen von Schwarzen an Weißen begangenen Morde ignoriert wurden.]

Dylann Roof mit der Flagge der ehemals konföderierten Südstaaten. Ähnlichkeiten mit der Flagge von „Novorossiya“ sind sicher nicht zufällig. Die Kopfbedeckung soll den Sonnenschutz der Kolonisten nachahmen. Quelle: mittlerweile deaktivierte Website lastrhodesian.com . Zumindest haben solche Posen in den USA eine Diskussion darüber in Gang gesetzt, ob man diese Flagge weiterhin auf öffentlichen Gebäuden zeigen könne.

Dylann Roof mit der Flagge der ehemals konföderierten Südstaaten. Ähnlichkeiten mit der Flagge von „Novorossija“ sind sicher nicht zufällig. Die Kopfbedeckung soll den Sonnenschutz der Kolonisten nachahmen. Quelle: mittlerweile deaktivierte Website lastrhodesian.com . Zumindest haben solche Posen in den USA eine Diskussion darüber in Gang gesetzt, ob man diese Flagge weiterhin auf öffentlichen Gebäuden zeigen könne.

Im März in Petersburg wurde der „Council of Conservative Citizens“, der von der von Vizepremier Dmitri Rogosin gegründeten, ultranationalistischen und rechtsextremen „Rodina“-Partei eingeladen worden war, durch zwei hochrangige Mitglieder repräsentiert: den Vorsitzenden Jared Taylor und den Juristen Sam Dickinson, der auch Anwalt des KuKluxKlan ist.

Jared Taylor, der in den Tagen nach der Schießerei die Organisation in den Medien vertrat, sprach im März auf dem „Russischen Konservativen Forum“ in St. Petersburg. Dort schimpfte man auf die „fremden Traditionen“ nicht-weißer Menschen.

„Die Religion der USA ist nicht länger das Christentum, sondern Diversity“, [Anm. d. Übers.: Anerkennt (den Wert von) Vielfalt und schützt vor Diskriminierung.] „Wir sollen glauben, daß diese verrückte Idee, daß eine wilde Mischung von Sprache, Religion, Menschen und Rassen großartig und wunderbar ist. Tatsächlich jedoch begehen die Vereinigten Staaten Selbstmord.“

Wie oben bereits erwähnt, hat Taylor in mehreren Interviews – hier ist ein weiteres, ausführliches von einer einschlägigen Seite – die Schüsse verurteilt, doch den rassistischen Ansichten, die Roof in seinem Manifest äußerte, zugestimmt.

Zur Zeit des „Forums“ erzählten Taylor und Dickson, dass sie von ihrer Einladung überrascht gewesen seien, da deren ideologischer Bereich keine Schnittmengen mit ihrer Kampagne für ein rein weißes Amerika habe. „Wir verstehen nicht, warum wir hier sind“, sagte Taylor. „Hier ist eine sehr seltsame Ansammlung“. Obwohl die Weigerung der Organisatoren, ihnen vorher zu sagen, wer sonst auf dem Forum noch spreche, ihr Misstrauen erregt habe, hätten sie sich entschieden, trotzdem dort hin zu reisen.

Taylor äußerte sich abfällig über andere Teilnehmer, wie den ehemaligen Führer der British National Party, Nick Griffin und über Udo Voigt, einen neonazistischen EU-Abgeordneten. „Die haben keine Vision. Gut, sie haben zwar eine, aber das ist die falsche“, sagte er.

udo

Taylor, 63, hat im vergangenen Jahr eine ähnliche Veranstaltung mit organisiert, die Brücken zwischen US- und europäischen weißen Nationalisten bauen sollte. Viktor Orbán, Ungarns autokratischer Ministerpräsident, verbot die Konferenz und verweigerte einigen Rednern die Einreise, darunter auch dem russischen „eurasistischen“ Philosophen Alexander Dugin.

Artikel von: Max Seddon, buzzfeed
Quelle: Buzzfeed.com 23. 6. 2015
Quelle: RFE/RL (Deana Kjuka), 24. 6. 2015

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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