Eine von Putin gemachte „Naturkatastrophe“ in Sotschi

Putin in der Pose des Helden, der Olympia nach Sotschi holte – Parodie, aber gut getroffen © NDR Morgenmagazin

Putin in der Pose des Helden, der Olympia nach Sotschi holte – Parodie, aber gut getroffen © NDR Morgenmagazin 

4. Juli 2015 • Empfehlung, Russland

Quelle: windowoneurasia 26.6.2015

Viele „Natur“-Katastrophen sind in Wirklichkeit menschengemacht, das direkte Ergebnis von gedankenlosen, verantwortungslosen oder sogar kriminellen Handlungen bestimmter Individuen und Organisationen. Die desaströse Flut von Sotschi ist eine davon; sie ist das Ergebnis der Maßnahmen, die Wladimir Putin in Vorbereitung für die Olympischen Winterspiele 2014 in der Nordkaukasus-Stadt ergriff.

Es sind schon mehr als 500 Häuser überflutet worden, Hunderte hatten fliehen müssen, es gab einen Toten, Flughafen und Bahnhof mussten schließen und die Flut war zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Artikels noch nicht zurückgegangen. Russische Offizielle werfen dem Regen vor, die Abwasserkanäle überrannt zu haben, doch Experten und die Einheimischen sagen, der Vorwurf treffe die, die für die Olympiade gebaut hätten.

Sie führen aus, dass man über die Infrastruktur der Stadt hinweggesehen hatte, weil man sich beeilen wollte, die Vorbereitungen für die Spiele abzuschließen, und dass das für Abfluss- und Wasserrohre bestimmte Geld durch Korruption zweckentfremdet wurde – und dass das, was diese Woche passiert ist, immer wieder passieren wird, wenn nichts getan wird.

Flughafen Sotschi

Flughafen Sotschi

Die Klagen und die Aufmerksamkeit, die der Katastrophe in den russischen Medien zuteil werden, wirft wiederum die Frage auf, die der verstorbene Boris Nemzow bereits gestellt hat – nach der Korruption und dem gesetzuwidrigen Handeln bei Putins Streben, die Spiele zu bewirten. Das bedeutet wieder einmal, dass ein Ereignis, das er als russischen Triumph präsentieren wollte, stattdessen aber zum erneuten Beispiel für das Missmanagement des Kreml wird.

Anatolij Baranow, der Herausgeber von Forum-MSK.org, sagt es unverblümt: „Das Ausmaß des Disasters ist überwältigend, aber nicht überraschend. Am Vorabend der Olympiade schrieben wir, dass Stadt und Region Sotschi Zonen erhöhten Risikos sind. Doch Putin wurde als allwissend präsentiert, und die Spiele als „triumphal beendet“. Jetzt ist der Kreml an Sotschi nicht mehr interessiert. ‘Sotschis historische Mission ist erfüllt, Sotschi kann jetzt absaufen.’“

Am Bahnhof von Sotschi

Am Bahnhof von Sotschi

Ein anderer Moskauer Autor, Nikolai Iwanow, dokumentiert sowohl die Warnungen, die sowohl an Putin als als auch an Putin gerichtet worden waren, und wie diese ignoriert wurden, als auch die vielen Fälle, in denen die, die Spiele vorbereiteten, das Geld, das für die Infrastruktur vorgesehen war, in ihre eigenen Taschen umleiteten oder in die Taschen derjenigen, die über ihnen stehen.

Nun, so sagt er, bezahlt die Bevölkerung von Sotschi den Preis für Putins Nachlässigkeit, Korruption und gesetzwidriges Handeln und er deutet deutlich an, dass das, was in Sotschi passiet, eine Warnung für jedermann ist, und unausweichlich auch woanders passieren wird, wenn der Kreml nicht aufhört, das russische Volk wegen seines eigenen Strebens nach PR-Triumphen auszunutzen.

Olympiastadion Sotschi

Olympiastadion Sotschi

Die Verantwortlichen erklären ihre persönliche Unschuld und versuchen, alles auf andere zu schieben. Der Gouverneur der Region Krasnodar brachte gestern ins Gespräch, dass die Zuständigen der Stadt es nicht geschafft hätten, die Infrastruktur zu erhalten, doch der Bürgermeister von Sotschi sagte, die Administration von Krasnodar habe nur den Amtsschimmel geritten.

Doch die lokale Bevölkerung hat nichts davon. Alexander Walow, der Chefredakteur von BlogSotschi, sagt, dass die schlechten Abflüsse nur einer der Gründe für die Flut sind. Die, die im Vorfeld der Olympiade in die Landschaft eingegriffen hatten, seien dafür verantwortlich, denn sie hatten die Wege, auf denen das Wasser von den Bergen herunterlaufen kann, verändert.

Und, wie andere, bemerkt Walow, dass er und seine Mit-Aktivisten den Offiziellen mehrfach gesagt hatten, „dass die Bauten der olympischen Spielstätten errichtet wurden, mit roher Verletzung“ des Gesetzes, dass natürliche Wasserflüsse blockiert wurden und dass solche Blockaden unvermeidlich zu Überflutungen führen.

Nemzow nutzte Walows Bericht für seine eigene massive Verurteilung von Putins gesetzwidrigem Handeln und Korruption im Vorfeld von Sotschi. Vielleicht, werden nun, da die Konsequenzen von Putins Handeln offensichtlicher werden, mehr Leute auf das aufmerksam, was die Menschen von Sotschi und der ermordete russische Politiker gesagt haben, und erkennen, dass Sotschi nicht der Erfolg ist, als den es der Kremlchef verkauft.

 

Quelle: windowoneurasia 26.6.2015

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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