Ein belastendes Video, endlose Lügen und Putins „verfrühtes“ Tribunal zum MH17-Absturz

Screenshot des Videomaterials, das auf LiveNews gezeigt wurde

Screenshot des Videomaterials, das auf LiveNews gezeigt wurde 

Empfehlung, Krieg im Donbas

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 17.7.2015

Wenige Minuten nach dem Absturz des Flugzeugs der Malaysia Airline mit der Flugnummer MH17 wurde im russischen Fernsehen und in anderen Medien berichtet, dass die Kämpfer im Donbas ein ukrainisches Militärflugzeug abgeschossen hätten, und es wurde sogar ein Video gezeigt. Später am Abend wurde es gelöscht, als Moskau realisierte, was es alles verstecken musste. Ab diesem Zeitpunkt gab es nur noch Lügen. Jetzt bezeichnete der russische Präsident Wladimir Putin das Tribunal, das alle Staaten, deren Staatsbürger auf diesem Flug waren, sowie die Ukraine fordern, als „verfrüht“.

Der russische Kommentator Anton Orech erinnert russische LeserInnen daran, wie „jeden Tag von allen Bildschirmen und Tribünen die Kyiwer Junta beschimpft wurde, die Faschisten, die Bandera-Anhänger und den Genozid an der russischen Bevölkerung im Donbas, und wie oft hörten wir das Wort „Tribunal“. Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Kriegsverbrechen, Strafoperationen – haben Sie das vergessen?“

Er erinnert daran, dass, auch nachdem der MH17-Flieger abgeschossen wurde, es immer noch Behauptungen gab, dass es ein ukrainisches Flugzeug war oder sogar, dass das Flugzeug Leichen als Provokation beförderte. „Dann haben wir auch einen Nürnberger Prozess zu befürchten.“

Jetzt, wenn ein internationales Gericht tatsächlich umgesetzt wird, ist es Russland, das sich dagegen ausspricht. Warum, wenn alle Behauptungen darüber, dass Kyiw zu beschuldigen ist etc., doch wahr sind?

Eine komische Situation, befindet Orech, wenn diejenigen, die angeblich überzeugt sind, recht zu haben, diejenigen, die behaupten, den stärksten Beweis zu haben und die wissen, wo die Täter zu finden sind, mit aller Kraft versuchen, ein Tribunal zu verhindern. Diejenigen, die die Wahrheit auf ihrer Seite haben, hätten keine Angst, und das, so sagt er, ist der beste Beweis dafür, was für alle augenscheinlich ist. Der Beweis, dass die Boeing entweder von russischen Soldaten, die auf der Seite der Separatisten kämpften, oder von den Separatisten selbst abgeschossen wurde, im Glauben es handle sich bei der Maschine um ein ukrainisches Militärflugzeug.

„Und in Moskau verstehen sie das besser als anderswo. Aber sie wollen das nicht zugeben und ziehen endlose Lügen vor. Denn dieser Krieg gründet vollständig auf Lügen, von Anfang an bis zum Schluss.

Diese falschen Republiken sind eine Lüge. Und die Faschisten und die Bandera-Anhänger. Und die Freiwilligen im Donbas sind eine Lüge. Und als die Boeing abgeschossen wurde, blieb nichts übrig außer einer Lüge. Lügen bis zum bitteren (auf Russisch: triumphierenden) Ende. Nur dass es in dieser Geschichte kein triumphierendes Ende geben wird. Es wird nur Scham und Schande geben, und Hunderte von Toten mehr, zusätzlich zu den 298, die im Himmel über der Ukraine ihr Leben ließen.“

Es gab bereits Tausende Tote.

In Erinnerung an die 298 Menschen, die ihr Leben am 17. Juli 2014 verloren und an all die Ukrainer und Ukrainerinnen die davor und danach starben, lasst uns eine Gedenkminute am Freitag halten – und für den Aufruf für ein internationales Gericht, um die Lügen und das Töten zu beenden.

Von vor einem Jahr

Der Bericht des Senders „Life News“ kam kurze Zeit bevor klar wurde, dass kein ukrainisches Militärflugzeug abgeschossen wurde. Der Text unter dem Video beschreibt Folgendes: „Laut einem der Rebellen flog gegen 17.30 Uhr Ortszeit eine Maschine AN-26 über die Stadt. Eine Rakete hat sie getroffen, es gab eine Explosion, und das Flugzeug stürzte in schwarzem Rauch ab. Wrackteile flogen vom Himmel.“

Das Video wurde im Verlaufe des Abends entfernt wie auch andere Berichte in den Pro-Kreml-Medien.

Der Screenshot von diesem Video ist praktisch identisch mit dem Posting im sozialen Netzwerk „VKontakte“ vermeintlich vom Rebellenanführer Strelkow [Igor Girkin], der sich damit brüstet, eine ukrainische AN-26 abgeschossen zu haben. Die Behauptungen, dass das Posting unecht war, erklären nicht, warum dieser „Fake“ im russischen Fernsehen ausgestrahlt wurde.

Sie machen es vielmehr offensichtlich, warum das Video entfernt wurde, so etwas bezeichnet man als Zurückhalten von belastendem Beweismaterial.

Artikel von: Halya Coynash, Charkiwer Menschenrechtsgruppe
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 17.7.2015

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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