Jennis Geschichte: Meine Schwester saß in der MH-17

Das schönste Foto: eine strahlende Martine im Jahr davor auf einem Familienfest.

Das schönste Foto: eine strahlende Martine im Jahr davor auf einem Familienfest. 

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Artikel von: Rianne Klazinga
Quelle: De Telegraaf, 17. Juli 2015

Der 17. Juli 2014 ist jedermann in  Erinnerung eingraviert als Tag der MH-17-Katastrophe. An Bord der Todesmaschine saß auch Martine de Schutter (49), Jennis (44) Schwester. Sie nahm sofort Martines Sohn Maarten (15) in ihre Familie auf.

jenni„Jener Donnerstag war ein herrlicher Tag. Ich lag im Bikini im Swimmingpool in unserem Garten, um Sonne und Ruhe zu genießen. Unmittelbar nachdem mein Mann Cors nach Hause kam, erhielt er eine Nachricht auf sein Handy: Es sei ein Flugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Malaysia abgestürzt. Da wusste ich sofort: Martine ist nicht mehr.

Ich fühlte einen Knoten im Magen, fing an zu weinen, geriet in Panik und schrie: „Das ist Martine, das ist Martine!“ Ich versuchte, meine Eltern anzurufen, doch ich erreichte sie nicht. Da sie ganz in der Nähe wohnen, sprang ich in meine Kleider und rannte zu ihnen. Sie saßen mit meiner Nichte im Garten, tranken gerade etwas und ahnten nichts. „Martine ist tot“, rief ich, als ich ankam. Zusammen mit meinem Vater bin ich nach oben gegangen, um Martines Flugdaten im PC zu suchen. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit, bevor das Ding hochfuhr und jede Sekunde war eine zuviel. Als wir die Flugnummer sahen, war es dann sicher: Martine saß in der MH-17.

Eine bessere Welt

Meine Schwester war eine phantastische Frau. Warmherzig, liebevoll und ungeheuer loyal. Sie wollte Gutes tun und gegen Ungleichheit und Probleme kämpfen. Darum saß sie auch auf ihrer Arbeitsstelle beim Aidsfonds, für den sie auf dem Weg zur Welt-Aids-Konferenz in Melbourne war, als sie verunglückte. Sie lebte für eine bessere Welt und vor allem für ihren Sohn Maarten. Martine hat sich seinerzeit bewusst dafür entschieden, alleinerziehende Mutter zu werden, und so waren sie und Maarten zu zweit. Die Verbindung die sie hatten … so etwas habe ich noch nie zwischen Eltern und Kind gesehen. So intensiv, so viel Liebe.

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Mutterliebe: Martine und Maarten: ein Herz und eine Seele Foto: Muriel Kolmschot

Und jetzt musste ich Maarten berichten, dass seine Mutter gestorben war. Er war bei einem Freund. Ich rief ihn an. „Maarten, ich muss Dir etwas Schlimmes sagen. Mama ist tot, ihr Flugzeug ist abgestürzt.“ Ich hörte ihn am anderen Ende der Leitung nur schreien. Mein Mann Cors, unsere Tochter Willemijn und ich sind sofort ins Auto gestiegen, um Maarten zu holen. Seit diesem Abend ist er nie mehr weggegangen. Schon bald nach seiner Geburt hatten Martine und ich abgesprochen, dass ich für Maarten sorgen würde, sollte ihr jemals etwas zustoßen.

Jenni: ich habe so viele schöne Erinnerungen an Martine. Foto: Muriel Kolmschot

Jenni: ich habe so viele schöne Erinnerungen an Martine. Foto: Muriel Kolmschot

 

Artikel von: Rianne Klazinga
Quelle: De Telegraaf, 17. Juli 2015

Bild: TLG
Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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