MH17: Was wir bisher wissen

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17. Juli 2015 • Analytik und Meinungen, Archiv, Empfehlung, Krieg im Donbas

Quelle: Euromaidanpress

Am 17. Juli 2014 wurde Flug 17 der Malaysia Airlines über dem Gebiet unter der Kontrolle der Separatisten in der Ostukraine abgeschossen, dabei kamen 298 Menschen ums Leben. Ein von den Niederlanden geleitetes Ermittlungsteam stellt einen Bericht über die Ursachen der Tragödie zusammen, der im Oktober 2015 veröffentlicht werden soll, doch bereits der Entwurf sieht laut CNN die von Russland unterstützten Soldaten als Verantwortliche für den Abschuss von Flug MH17. In der Zwischenzeit führen unabhängige Ermittler ihre Untersuchungen durch, während russische Beamte und Medien zahlreiche einander widersprechende Versionen des Ereignisses verbreiten. Hier ist eine Zusammenfassung dessen, was wir über die Tragödie wissen:

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Was geschehen ist – Was wir wissen:

1. Die von Russland unterstützen Soldaten hatten vor dem Abschuss der MH17 viele ukrainische Flugzeuge und Hubschrauber abgeschossen. Nicht weniger als 24 ukrainische Militärflugzeuge und Hubschrauber wurden zwischen Ende April und Ende Juli 2014 von anti-ukrainischen Truppen abgeschossen.  

Mindestens 10 (und nach manchen Schätzungen 24) Militärflugzeuge und Hubschrauber waren vor MH17 abgeschossen worden. Nur sechs Tage nach dem Absturz von MH17 wurden über der Ukraine zwei weitere Flieger abgeschossen.

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2. Das Flugzeug wurde laut der chemischen Analyse von Munitionsteilen mit einem BUK-Raketenwerfer abgeschossen.

Die chemische Analyse von Schrapnell, das an der Absturzstelle gesammelt wurde, verrät, dass es von einem BUK-Raketenwerfer stammte. Diese Ergebnisse wurden von deutschen Raketenspezialisten und internationalen Experten bestätigt.

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Jeroen Akkermans / RTL Nieuws

3.  Die Soldaten berichteten ihren russischen Vorgesetzten, dass sie am 17. Juli eine Passagiermaschine abgeschossen hätten. Der ukrainische Geheimdienst hörte Telefongespräche ab, in denen sie zugaben, auf ein ukrainisches Militärflugzeug geschossen zu haben, aber eine Passagiermaschine getroffen zu haben.

Telefonate, die vom ukrainischen Geheimdienst abgehört worden waren, zeigen, dass die von Russland unterstützten Soldaten über eine BUK verfügten, die in der Lage war, die Rakete abzufeuern, und dass sie den Abschuss weiterer ukrainischer Flugzeuge planten.

Ein weiteres vom Geheimdienst abgehörtes Gespräch enthüllt eine Konversation zwischen einem Soldaten, der am Abschuss des Fliegers beteiligt war, und Kosizyn, einem General der russischen Armee. Der Soldat berichtet seinem Vorgesetzten eindeutig, dass sie ein Zivilflugzeug abgeschossen haben.

[Zu dem Flieger, der in der Nähe von Snischne-Tores abgeschossen wurde. Der stellte sich als Passagierflugzeug heraus. Er kam außerhalb von Grabowo herunter, da sind eine Menge Leichen von Frauen und Kindern. Kosaken schauen sich da jetzt um.]

4. Die Separatisten sagten auf ihrer Seite in den sozialen Medien, sie hätten am 17. Juli eine AN-26 abgeschossen. Die russische Nachrichtenagentur LifeNews berichtete darüber, löschte es später und behauptete, dass “es die ukrainische Armee gewesen sei”.

Eine pro-separatistische Seite im sozialen Netzwerk VKontakte berichtete umgehend über den Abschuss einer ukrainischen Militärmaschine AN26 am 17. Juli, und die russische Agentur LifeNews berichtete über die Geschichte. Sowohl das Posting in den sozialen Netzwerken als auch der Bericht in den Nachrichten wurden kurz darauf gelöscht, und dieselbe LifeNews Moderatorin verkündete, dass das ukrainische Militär die MH17 abgeschossen hätte.

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[Links: LifeNews berichtete, dass “Rebellen” am 17.  Juli erfolgreich ein weiteres Flugzeug abgeschossen haben. Rechts: Dieselbe Moderatorin verkündete, dass das ukrainische Militär am 17.  Juli MH17 abgeschossen habe.] (c) Julia Davis

5. Die gleiche BUK, die die Rakete abgeschossen haben könnte, wurde unmittelbar vor dem Abschuss nahe der Abschussstelle gesehen, bestückt mit vier Raketen. Einen Tag später sah man sie erneut in der Nähe, und es fehlte eine Rakete.

Die BUK, die die Rakete abgeschossen haben könnte, wurde am 17. Juli in Donezk, Tores und Snischne – bestückt mit vier Raketen – gesichtet. In Luhansk sah man sie am 18. Juli, doch da fehlte eine Rakete.

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The Buk seen in Torez on 17 July 2014

6. Die Rauchspuren des Abschusses wurden von einem Fotografen in Tores festgehalten und offenbarten die Abschussstelle.

Ein einheimischer Photograph aus Tores hielt die Rauchspur des Abschusses dieser Rakete fest. Sie kam aus der Gegend südlich von Snischne und offenbarte so die wahrscheinliche Abschussstelle.

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7.  Die angebliche Abschusstelle wies Anzeichen eines Raketenstarts auf. Der Boden wurde versengt und schwer gezeichnet.

Roland Oliphant, ein Reporter des britischen “The Telegraph” begab sich zu der möglichen Raketenabschussstelle und fand einen Teil des Feldes versengt und schwer gezeichnet.

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8. Das war eine russische BUK. Sie kam in die Ukraine als Teil eines Konvois der 53. Kursker Luftabwehr-Brigade.

Die BUK kann bis nach Russland zurückverfolgt werden. Nach den Ergebnissen von Bellingcat und Correct!v war die BUK Teil eines russischen Konvois aus Fahrzeugen der russischen 53. Kursker Luftabwehrbrigade, die im späten Juni Richtung ukrainische Grenze fuhr.

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Links: die BUK im Juni im russischen Konvoi, Rechts: die BUK am 17.  Juli in Donezk.

Wir wissen auch, was NICHT passiert ist.

Bis zum heutigen Tag haben die Russen viele Geschichten produziert, denn sie versuchten, die ukrainische Regierung für den Abschuss verantwortlich zu machen. Doch viele von diesen Geschichten waren leicht zu entlarven.

9. MH17 ist nicht von einem SU-25 Kampfjet der ukrainischen Streitkräfte abgeschossen worden. Eine SU-25 kann das nicht.

Die Russen behaupten, dass MH-17 von einem SU-Kampfjet des ukrainischen Militärs abgeschossen wurde. Der Chefkonstrukteur der SU-25 sagte jedoch, die SU-25 ist dazu nicht in der Lage.

10. Es war keine ukrainische BUK. In dieser Gegend gab es keine ukrainischen BUK.

Bei dem Versuch, die Ukraine für den Abschuss der MH 17 verantwortlich zu machen, veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium Satellitenbilder, die angeblich ukrainische BUK in Saroschenske, in Schussreichweite auf die MH17, zeigen. Wie durch eine Bellingcat-Nachforschung enthüllt wurde, bei der diese Bilder mit anderen verfügbaren Bildern verglichen wurden, sind diese Bilder Fakes, und es gab in Saroschenske keine ukrainischen BUK.

11. Es gibt keine Möglichkeit, anzunehmen, dass die Rakete von ukrainischem Gebiet abgeschossen wurde. Russische Versionen, nach denen die ukrainische Armee die MH17 von Saroshchenske aus abgeschossen habe, konnten leicht widerlegt werden. Die Stadt wurde an diesem Tag nicht von der Ukraine kontrolliert.

Saroschenske, die Alternative zur Abschussstelle bei Snischne, wo, so die russischen Behauptungen, eine ukrainische BUK die MH17 abgeschossen haben soll, war im Juli 2014 tatsächlich unter Kontrolle der Separatisten. Die Satellitenbilder,  die Bellingcat analysiert hat, zeigen pro-russische Positionen überall um die angebliche Abschussstelle.

Verfasst von Alya Shandra; Recherche: Kirill Michailow, Euromaidan Press Team; Design: Ganna Naronina

Quelle: Euromaidanpress

Bild: Euromaidan Press
Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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