Putins MH-17 Alptraum: ein internationales Tribunal

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17. Juli 2015 • Empfehlung, Krieg im Donbas

Quelle: Euromaidan Press (engl.) 17. Juli 2015
Quelle: Espreso.tv

Putin spricht sich gegen ein internationales Tribunal zum MH-17-Abschuss aus, denn er weiß ja, dass er darin verwickelt ist.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat beschlossen, sich persönlich gegen  gegen die Einrichtung eines internationalen Tribunals auszusprechen, das die Personen verfolgen soll, die in die MH-17-Katastrophe verwickelt sind.

In einem Telefonat mit dem niederländischen Premierminister Mark Rutte nannte Putin diese Vorschläge voreilig und kontraproduktiv. Gleichzeitig brachte Putin seine Unzufriedenheit darüber zum Ausdruck, dass in der Weltpresse „politisierte“ Versionen der Untersuchung erschienen seien – als ob Rutte irgendeinen Einfluss auf die Berichte von CNN ausüben könnte.

Doch es ist schon länger keine Riesenneuigkeit mehr, dass die „Götter“ des Kreml ernsthaft überzeugt sind, dass westliche Staatenlenker die Medien in der gleichen Weise beeinflussen, wie sie das mit Kanal 1 oder NTV (Russlands nationalem Fernsehkanal) tun. Was jedoch berichtenswert ist, ist Putins offensichtliche Nervosität. Es sollte doch eigentlich scheinen, als solle Putin der Idee eines Tribunals keinerlei Aufmerksamkeit schenken – umso mehr, als Russland doch von der eigenen Unschuld an der Tragödie überzeugt ist. Mehr noch: Man hätte erwarten können, dass Putin ein solches Tribunal unterstützen würde, um wiederum seine Unschuld zu demonstrieren.

Putin versteht sehr gut, dass er sich in echte Schwierigkeiten manövriert hat. Es ist kein Zufall, dass gerade an dem Tag, als er mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rutte telefonierte, in der Weltpresse Berichte über Putins Verwicklung in das Verbrechen erschienen.

Die Logik von Journalisten ist eisern. Selbst wenn man zustimmt, dass die Boeing durch Separatisten zerstört wurde, ist es wichtig, zu verstehen, woher sie die BUK (Mehrfach-Granatwerfer, „Stalin-Orgel“) bekamen. Und wenn die BUK russischer Herkunft war, bedeutet das, dass die Führung der russischen Streitkräfte in deren Transport in die Ukraine verwickelt war. Deren Oberbefehlshaber ist Putin. Und dessen Unschuld zu diskutieren, ist das gleiche, wie über die Unschuld von Hitler an den Verbrechen der Wehrmacht während des zweiten Weltkriegs zu diskutieren [Anm. d. Übers.: Das wurde allerdings auch gemacht, „wenn das der Führer wüsste“…], oder zu behaupten, Stalin habe über die Repressionen „nichts gewusst“. Deswegen: Putin ist involviert. Und er weiß das. Deswegen ist er nervös.

Mark Rutte rief den russischen Präsidenten an, um ihn von der Notwendigkeit eines Kompromisses bezüglich des Tribunals zu überzeugen. Der niederländische Ministerpräsident hat schlicht keine andere Wahl. Im eigenen Land verlangen die Bürger, dass die Verantwortlichen bestraft werden sollen. Doch auch Putin hat keine andere Wahl, denn die meisten seiner Landsleute, aufgewachsen im kannibalischen System der Sowjetunion, sehen Verbrechen als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Doch Putin möchte für sich und seine Entourage die Tür zum Westen nicht verschließen. Deswegen wurde das internationale Tribunal  sein täglicher Alptraum.

Quelle: Euromaidan Press (engl.) 17. Juli 2015
Quelle: Espreso.tv

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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