Kann er nicht, oder will er nicht? – Keine Dollars von Putin für den Grexit

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26. Juli 2015 • Empfehlung, Politik, Russland

Artikel von: Philipp Chrisopoulos
Quelle: Greekreporter, 21. Juli 2015

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hat den russischen Präsidenten Wladimir Putin um zehn Milliarden Dollar gebeten, um damit Drachmen zu drucken, so die Zeitung „To Vima“ und weitere griechische Medien. Auch der Focus berichtete darüber.

Der Zeitungsbericht zitiert Tsipras, der in seinem letzten großen Interview im Staatsfernsehen ERT sagte, dass „ein Land, das seine eigene nationale Währung drucken will, Reserven in einer starken Währung braucht“.

Moskaus Antwort war die vage Erwähnung einer 5-Milliarden-Dollar-Vorauszahlung auf die neue South-Stream-Gasleitung, die durch Griechenland laufen soll. [Anm. d. Übers.: Gemeint ist Turkish Stream, der South-Stream-Plan ist schon längst vom Tisch. Wenn sie denn je gebaut wird. Zwei Tage nach dem Tsipras-Besuch erschienen in den Medien Berichte, die es auch als unwahrscheinlich erscheinen lassen, dass Turkish Stream je gebaut wird]. Tsipras richtete ähnliche Kreditanfragen auch an China und den Iran, doch erfolglos, wie der Bericht vermerkt.

Weiter sagt der Bericht, die Idee, eine neue nationale Währung einzuführen, sei von Technokraten und den Angehörigen des griechischen Finanzministeriums geprüft worden, die dazu das Vorbild der Abtrennung der Slowakei aus der Tschechoslowakei Anfang 1993 und die Einführung der slowakischen Krone (koruna) studiert hätten.

Tsipras plante die Rückkehr zur Drachme schon seit Anfang 2015 und rechnete mit der Hilfe Russlands um dieses Ziel zu erreichen. Nach Aussage des Berichts wussten Panos Kammenos [Anm. d. Übers.: Chef des rechtsextremen Koalitionspartners, ANEL, und Verteidigungsminister, dem auch antisemitische Ausfälle nicht fremd sind], Yiannis Dragasakis, Yanis Varoufakis, Nikos Pappas, Panagiotis Lafazanis [Anm. d. Übers.: Ex-Energieminister, wurde am 17.7. aus dem Kabinett entfernt, Frontmann der Syriza-Linksabweichler, der Linken Plattform, in der Parlamentsfraktion, Zitat: „die einzige realistische Politik ist jetzt der Umsturz“, arbeitete schon länger an einer Rückkehr zur Drachme und soll als Abgesandter von Tsipras dreimal zu Vorgesprächen in Moskau gewesen sein] und andere Schlüsselmitglieder der Koalition von diesem Plan.

Bei seinem ersten Besuch in Moskau verurteilte Tsipras die Ukraine-Politik der EU und unterstützte das Referendum in der Ostukraine für die Abspaltung. Zu diesem Zeitpunkt begriff Deutschland, dass Griechenland bereit war, die Seiten zu wechseln – was den europäischen Zusammenhalt bedroht hätte. Tsipras hoffte zu dieser Zeit noch, dass Deutschland unter dieser Drohung klein beigeben und Griechenland einen großzügigen Schuldenschnitt anbieten werde. Da hatte Tsipras noch den Anfängerehrgeiz, er könne Europa verändern, stand weiter im Bericht.

Es war auch ein Schritt vorwärts in der „geopolitischen Eheanbahnung“ dass Tsipras noch vor den Europawahlen im Mai 2014 (FSB-Generalleutnant) Leonid Reschetnikow vorgestellt wurde. [Anm. d. Übers.: wie – nicht nur für die Russen – erfreulich sich die Zusammenarbeit entwickelte, hat Christo Grozev bereits im Februar beschrieben]. Vorgestellt wurde er vom Professor für russische Studien, Nikos Kotzias, der später den Lohn für seine Dienste bekam: den Posten als Außenminister. [Anm. d. Übers.: welch prominente Unterstützung Kotzias bei der Vermittlung seiner russischen Studien erhielt -> hier lang].

Das Referendum vom 5. Juli war für Tsipras ein Test, um zu sehen, was die Griechen über Europa und die Eurozone denken. Doch in der Nacht des Referendums kam die Antwort aus Russland, Putin wolle Griechenlands Rückkehr zur Drachme nicht unterstützen. Das wurde in den folgenden Tagen bestätigt. [Anm. d. Übers.: …und von Russland natürlich, wie Sputnik mitteilt, bestritten]. Nach dieser Absage blieb Tsipras keine Wahl als sich der deutschen Kanzlerin Angela Merkel zu „ergeben“ und das dritte Rettungspaket zu unterzeichnen.

Der Bericht verursachte einen Aufruhr und brachte 17 Abgeordnete dazu, Tsipras einen Brief zu schreiben, und nachzufragen, ob der Bericht der Wahrheit entspreche. [Anm. d. Übers.: eine Antwort liegt noch nicht vor, doch mittlerweile berichten auch ausländische Medien, unabhängig davon].

[Zusatz d. Übers.: Und im Interview mit der griechischen Zeitung Kathimerini behauptet der ex-Finanzminister Varoufakis, dass der Grexit-Plan schon sehr weit gediehen war. Das Handelsblatt berichtet am heutigen Tag ebenfalls darüber.]

Artikel von: Philipp Chrisopoulos
Quelle: Greekreporter, 21. Juli 2015

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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