Die umstrittene Entmilitarisierung von Schyrokyne: Was Sie wissen dazu müssen

OSZE-Beobachter und Mitglieder der russisch-ukrainischen Kontaktgruppe bei einem Besuch in Schyrokyne

OSZE-Beobachter und Mitglieder der russisch-ukrainischen Kontaktgruppe bei einem Besuch in Schyrokyne 

Empfehlung, Krieg im Donbas, Menschenrechte, Nachrichten, Politik

Artikel von: Kirill Mikhailov
Quelle: Euromaidan Press (engl.) 3. August 2015

Am 3. August 2015 soll die trilaterale Kontaktgruppe aus Vertretern der Ukraine, Russlands und der OSZE in Minsk einen Entwurf eines Plans zur Entmilitarisierung von Schyrokyne vorlegen. Dieses Dorf in der Nähe der Küstenstadt Mariupol ist seit März 2015 kontinuierlich Mittelpunkt von Kampfhandlungen, trotz der früheren Minsker Übereinkünfte. Freiwilligenbataillone der Ukraine und Bewohner von Mariupol protestieren gegen einen solchen Deal, während der ukrainische Präsident verspricht, dass die Armee auf den strategisch wichtigen Anhöhen vor diesem Dorf stationiert bleiben werden. Hier sind die Fakten über das beunruhigende Vorhaben:

Schyrokyne ist ein strategisch wichtiger Ort nur 8 Kilometer östlich von Mariupol, einer ukrainischen Stadt mit 450.000 Einwohnern an der Küste des Asowschen Meeres.

mariupol-mapSeit August letzten Jahres, die Eindringlinge wurden Mariupol Abwehr Sondieren. Während einer Schlüssel Hafen selbst, könnten einige verdächtige Mariupol der erste Schritt für einen Landkorridor in die Krim zu sein.

landbruecke

“Landbrücken”-Szenario einer russischen Offensive in die Ukraine, Foto: Stratfor – Legende (oben rechts): Separatisten/Russen: rosa: derzeit unter russischer/separatistischer Kontrolle – gelb: potenziell zu eroberndes Gebiet – rote Pfeile: potenzielle Vormarschrichtung – rot: potenzielle Verteidigungspositionen – Legende (unten links): Brücken, grüne Linien = Straßen, graue Linien = Eisenbahnen

Im Januar 2015 litt der östliche Stadtrand von Mariupol unter schwerem russischem Beschuss aus östlicher Richtung. Der Verlust von Schyrokyne würde die Wohngebiete von Mariupol unmittelbar der Gefahr russischer Artillerieangriffe aussetzen.

Die Folgen eines Artillerieangriff auf Mariupol im Januar 2015

Die Folgen eines Artillerieangriff auf Mariupol im Januar 2015

Schyrokyne ist trotz der Minsker Verträge seit März Mittelpunkt häufiger Kämpfer, bei denen beide Seiten Verluste erlitten haben. Nach Angaben des Kommaneurs des Bataillons Asow, Andryj Biletzkyj, gab es bei den ukrainischen Streitkräfte etwa 60 Todesopfer und 200 Verwundete, während beim Feind insgesamt 800 Soldaten fielen.

 

Kämpfe in Schyrokyne, Video des Bataillons Asow über die Verteidigung des Dorfes Schyrokyne:

80% der Häuser in Schyrokyne wurden zerstört, alle Bewohner haben das Dorf verlassen.

Luftaufnahmen von Schyrokyne vor und nach der “Befreiung durch Putin”:

 

Die OSZE hat die Entmilitarisierung von Schyrokyne, den beidseitigen Rückzug der Truppen und Waffen bis zu 23 mm im Kaliber vorgeschlagen. OSZE-Beobachter würden einen festen Beobachtungsposten in Schyrokyne einrichten, um den Waffenstillstand zu überwachen. Es gibt keinen klaren Mechanismus, der verhindern könnte,  dass Schyrokyne von der “Donezker Volksrepublik” eingenommen würde, sobald die Ukrainer ihre Truppen abziehen.

Die Einwohner von Mariupol sowie das Freiwilligen-Bataillon ‘Donbas’ (das Schyrokyne zusammen mit dem Bataillon Asow verteidigt) haben sich gegen diese Entscheidung ausgesprochen und dies als freiwillige Aufgabe von ukrainischen Territorium bezeichnet.

Einwohner von Mariupol unterzeichnen eine Petition gegen den Abzug von Truppen bei einer Kundgebung gegen die entmilitarisierte Zone - Foto: lb.ua

Einwohner von Mariupol unterzeichnen eine Petition gegen den Abzug von Truppen bei einer Kundgebung gegen die entmilitarisierte Zone – Foto: lb.ua

Der US-amerikanische Botschafter in der Ukraine hat den Plan für eine entmilitarisierte Zone befürwortet, weil sie im Einklang mit den Minsker Vereinbarungen stehe und zur Schaffung von Frieden diene. Einige aus Schyrokyne geflohene Menschen unterstützen eine entmilitarisierte Zone, weil sie zu einem normalen Leben zurückkehren wollen. Andere glauben aber, ein normales Leben unter der Bedrohung durch russische Panzer sei nicht möglich.

Eine Befürworterin einer entmilitarisierten Zone in Mariupol, Foto: 0629.com.ua

Eine Befürworterin einer entmilitarisierten Zone in Mariupol, Foto: 0629.com.ua

Präsident Poroschenko erklärte, die ukrainischen Truppen würden weiterin die strategischen Anhöhen bei Schyrokyne halten und die entmilitarisierte Zone werde Mariupol selbst nicht umfassen. Die Stadt, so versicherte er, bliebe unter wirksamem ukrainischen Schutz.

Der ukrainische Militäranalytiker Dmytro Tymchuk befürchtet jedoch, dass ukrainischen Truppen nicht in der Lage wären Schyrokyne zurückzuerobern, falls die Russen unter Bruch der Waffenruhe vormarschieren. Er schlug vor, für den Fall eines Versagens dieser entmilitarisierten Zone eine neue Runde von Sanktionen gegen Russland zur Anwendung zu bringen.

Am Dienstag, den 28. Juli, sind die Freiwilligenbataillone Asow und Donbas (die Schyrokyne nicht gerne verlassen haben) aus dem Dorf abgezogen und wurden durch Marinesoldaten ersetzt.

Ukrainische Marinesoldaten beziehen ihre Positionen in Schyrokyne:

Es wird erwartet, dass die trilaterale Kontaktgruppe bei einem Treffen in Minsk einen detaillierteren Plan für eine entmilitarisierte Zone im Laufe des Tages (3. August) vorlegt.

Kirill-Mikhailov_avatar-85x85Kirill Mikhailov ist ein Anti-Putin-Aktivist und Bürgerjournalist, der an den weit verbreiteten Protestaktionen in Russland in den Jahren  2011 bis 2012 teilnahm. Nach der Annexion der Krim verließ er Russland und zog in die Ukraine. Er ist seitdem ehrenamtlicher Autor und Übersetzer für Euromaidan Press.

http://euromaidanpress.com/2015/08/03/the-controversial-shyrokine-dmz-what-you-need-to-know/

Artikel von: Kirill Mikhailov
Quelle: Euromaidan Press (engl.) 3. August 2015

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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