Ein Bild sagt mehr als tausend Worte…

© Gennadij Moischenko, Doschd

© Gennadij Moischenko, Doschd 

Empfehlung, Nachrichten, Russland, Soziales

Quelle:

Dieses Bild hat der oppositionelle Sender Doschd (Tvrain) veröffentlicht. Boris Reitschuster schreibt dazu: „Offiziell wurden die Lebensmittel für “gesundheitlich bedenklich” befunden – seit Jahren gängige Praxis für politisch nicht gewollte Importe.“

Nataliya Schuberth hat folgende Zahlen recherchiert:

  • Bereits vernichtet (mit der Dampfwalze platt gemacht oder verbrannt ):
    10 t Käse( in Belgorod)
    20 t Käse aus Litauen ( in Orenburg)
    650 t Äpfel aus Polen (in Novosibirsk)
    114 t Schweinefleisch aus Brasilien (in Samara)
  • Demnächst :
    55 t Nektarinen & Tomaten (in Smolensk)
    40 t Früchte aus Marocco (in St.Petersburg)
    28 t Tomaten & Äpfel aus Polen (in Moskau)

…und das ist nur ein kleiner Teil des Wahnsinns …

Derweil leben, nach offiziellen Angaben, 22,9 Millionen Russen unterhalb der Armutsgrenze, “dahinvegetieren” trifft wohl eher zu.
Die Dunkelziffer dürfte viel höher sein, da in Russland traditionsgemäß alle offiziellen Zahlen immer gern verschönert werden.

Zu hungern scheint ja gesünder zu sein, denn es sollen, so wird es im Reitschuster-Eintrag berichtet, aus einem Heim nahe der Stadt Wladimir schon 18 Senioren wegen Unterernährung ins Krankenhaus gekommen sein; eine Frau sei bereits gestorben.

Eine alte sowjetische Tradition scheint jetzt auch wiederbelebt zu werden – die um Pawlik Morosow:

© Screenshot: Arte-Journal, 7. August 2015, 19:00

© Screenshot: Arte-Journal, 7. August 2015, 19:00

 

Pawlik – wer?

Pawel, „Pawlik“ Trofimowisch Morosow wird am 14. November 1918 in einem Dorf am Ural geboren. Morosow wird zum Helden, da er angeblich seinen Vater beim Vorläufer des KGB, der damals OGRU hieß, angezeigt habe, weil er, als im Rahmen der Kollektivierung Getreide abzugeben hatte, eben dieses Getreide versteckt habe, um den „Kulaken“, also jenen, die zu Feinden des Volkes erklärt worden seien, zu helfen. Der Vater sei daraufhin selber als Volksfeind zu Lagerhaft verurteilt worden.

Daraufhin sei der Junge von reaktionären „Kulaken“ Anfang September 1932 erschlagen worden. Am 3. September werden seine Leiche und die Leiche seines Cousins gefunden.

Die Figur von „Pawlik“, Paulchen Morosow wurde sowjetischen Kindern als Vorbild präsentiert und man konnte ihr, wie der Journalist Jurij Druschnikow schreibt, nicht entrinnen. Pawlik habe sogar den eigenen Vater angezeigt, der daraufhin als Volksfeind zu zehn Jahren Lagerhaft verurteilt worden sei.

Pawlik wurde Informant des Geheimdienstes, und es scheint, dass ihm das sehr gut gefiel – im Dorf sei niemand vor seinen Denunziationen sicher gewesen. „Pawlik verschonte niemanden.“ Übrigens wurde er erst posthum „Pawlik“ genannt, zu Lebzeiten nannte man ihn „Paschka“.

Als man ihn dann erstochen im Wald auffand, waren die Schuldigen bald gefunden: Verwandte, die insgeheim „Kulaken“ waren, das heißt, die sich der Kollektivierung widersetzten. Verurteilt und hingerichtet wurden sein Großvater, seine Großmutter, ein Großonkel und ein Cousin.

Heute gibt es erhebliche Zweifel, daß sich die Geschichte so, wie überliefert, zugetragen hatte, aber Generationen wuchsen mit ihr auf.

Was hatten die sowjetischen Kinder denn aus ihr zu lernen? Wenn Du Dich zwischen Familie und Staat zu entscheiden hast, muss Deine Loyalität dem Staat gelten – auch wenn es Deine Familie das Leben kostet.

Daran erinnern mich die jungen Damen in den gleichen T-shirts. Sie seien, so Arte, Mitglieder einer „kremlnahen Jugendorganisation“ namens „wir sind gegen Schweinefraß“, die sich bislang damit beschäftigt hätten, Lebensmittel aufzustöbern und zu melden, deren Haltbarkeitsdatum abgelaufen sei. Jetzt stöbern sie nach verbotenen Westimporten und melden sie.

Alleine seit gestern sei wieder eine große Menge Lebensmittel vernichtet worden. Die Vernichtung wird mit dem Schutz vor Korruption erklärt. Laut Arte-Kommentar ein Offenbarungseid.

Die Sendung (Arte-Journal vom 7. August 2015 um 19:00) ist noch sieben Tage im Internet abrufbar.

Montage: Dagmar Schatz

Quelle:

Bild: Doschd

Schlagworte:, ,