Neoliberaler Stalinismus|The Moscow Times

Wie von Arno Breker gemeißelt: Arbeiter und Kolchosbäuerin. Bild: wikimedia/Limitchik

Wie von Arno Breker gemeißelt: Arbeiter und Kolchosbäuerin. Bild: wikimedia/Limitchik 

12. August 2015 • Analytik und Meinungen, Meinung & Analyse, Nachrichten, Politik, Russland, Soziales

Artikel von: The Moscow Times
Quelle: The Moscow Times, 10.8.2015

Die Produktivität der russischen Erwerbstätigen ist unter allen Europäischen Ländern am niedrigsten, so ein am Montag von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit, OECD, veröffentlichter Bericht.

In Russland stand der Wert der Arbeitsproduktivität – gemessen am Bruttoinlandsprodukt in Dollar, dividiert durch die Gesamtzahl der von allen Erwerbstätigen eines Landes geleisteten Arbeitsstunden – im Jahr 2014 bei 25,9. Das ist die niedrigste Rate aller europäischen Länder, schlechter selbst als das krisengeschüttelte Griechenland, wo die Produktivitätsrate bei 36,2 stand.

Russlands Level der Arbeitsproduktivität ist eben mal mehr als die Hälfte des europäischen Durchschnitts von 50. In den Vereinigten Staaten war im vergangenen Jahr – so schätzt die OECD – das Produktivitätslevel 64 pro Stunde. Luxemburg war bei Weitem das Beste der beobachteten Länder, mit geschätzten 95,9 pro Stunde. [Anm. d. Übers.: Deutschland steht bei 58,3, Frankreich bei 59,5].

Im vergangenen Jahr stellte die russische Regierung einen Vierjahresplan auf, der zum Ziel hat, den ersten Befehl umzusetzen, den Präsident Putin zu Beginn seiner – dritten – Amtszeit erlassen hat: die Arbeitsproduktivität der Russen bis 2018 um 50% zu erhöhen.

Die Maßnahmen schließen Investitionen in die Modernisierung der Produktion ein sowie die Schaffung von Bedingungen für die berufliche Weiterentwicklung der Beschäftigten ein, dazu die Abschaffung von ineffizienten Jobs und eine gesteigerte Mobilität der Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt.

Nachbemerkung des Übersetzers: „…dazu die Abschaffung von ineffizienten Jobs und eine gesteigerte Mobilität der Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt.“ Klingt wie aus der „Agenda 2010“ von Putin-Kumpel Schröder und wird auch wahrscheinlich so gemacht, um Druck auf die Erwerbstätigen auszuüben.

Die „Produktivitätssteigerung“ hat übrigens eine Tradition, die sogar erfolgreich war: Gulag-Häftling Naftali Frenkel der es durch seine Ideen zur „wirtschaftlicheren“ Ausbeutung der Gefangenen bis in die Führungsebene der Lagerverwaltung schaffte. Ihm wird der Ausspruch zugeschrieben: „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.“

Oder die Stachanow-Kampagne. DDR-Variante: Hennecke. Dann werden sicherlich bald wieder Helden der Planübererfüllung ausgeguckt. Aber es ist nicht erkennbar, wie in drei Jahren geschafft werden soll, was in den vergangenen 15 Jahren nicht gelang.

Artikel von: The Moscow Times
Quelle: The Moscow Times, 10.8.2015

Bild: Limitchik
Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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