Europas Leitmedien fordern die EU auf, mit der Appeasement-Politik gegenüber Putin aufzuhören

„Ich bin froh, dass wir im Gespräch bleiben, Wladimir.“

„Ich bin froh, dass wir im Gespräch bleiben, Wladimir.“ 

Analytik und Meinungen, Empfehlung, Meinung & Analyse, Politik, Russland

Artikel von: Euromaidan Press (engl.)
Quelle: Euromaidan Press (engl.) 30. Juli 2015
Quelle: Gazeta Wyborcza, 26. Juli 2015

Europas Leitmedien haben die Politiker aufgefordert, mit der Appeasement-Politik gegenüber dem russischen Präsidenten Putin aufzuhören. Diese Aufforderung wurde formuliert durch den Chefredakteur der polnischen Gazeta Wyborcza, Adam Michnik, in einem Brief, der von über einem Dutzend europäischen Leitmedien übernommen wurde, darunter: El País (Spanien), La Stampa (Italien), Le Monde (Frankreich), Die Welt (Deutschland), Dennik SME (Slowakei), Der Standard (Österreich), De Volkskrant (Niederlande), Hospodarske Noviny (Tschechien), Dagens Nyheter (Schweden), Diário de Notícias (Portugal), Lietuvos Rytas (Litauen).

Eine Anzahl von Leitmedien hat eine Diskussion über diesen Brief initiiert, wie das estnische Portal Delfi, die estnische Zeitung Postimees, Adevarul in Rumänien, Dielli in Albanien und Timpul in Moldawien.

In diesem Brief erinnert Michnik an die tragischen Konsequenzen auf „Heuchelei, Dummheit und Schweigen der intellektuellen Elite“ zu den Handlungen von Adolf Hitler und Joseph Stalin.

Euromaidanpress hat diesen Brief aus dem Polnischen übersetzt, zunächst ins Englische und jetzt hier ins Deutsche:

Niemand sprach so schön vom Frieden wie Stalin

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Eine traurige Erinnerung an das 20. Jahrhundert ist die an die Doppelzüngigkeit, Heuchelei und das Schweigen der intellektuellen Elite aus Kultur, Wissenschaft und Medien, als sie mit dem fortschreitenden Erfolg von zwei totalitären Regimes gegenüberstanden.

Europa wird sich auf ewig schämen müssen, daß es seine Augen vor der Annexion von Österreich, der Tschechoslowakei und den Baltischen Staaten verschlossen hat. Niemand sprach so schön über Frieden und Menschenrechte wie Hitler und Stalin. Umgekehrt: niemand beging so viele Kriegsverbrechen wie diese beiden Diktatoren.

„Peace in our time“:

Der britische Premierminister kommt von der Münchner Konferenz 1938 zurück: Man habe Hitler mit der Annexion des Sudetenlands, also von Staatsgebiet der Tschechoslowakei gewähren lassen und somit den „Frieden in unserer Zeit“ gesichert. Ein Krieg sei ein für alle Mal abgewehrt.

Heute schweigt Europa angesichts der aggressiven, imperialistischen Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Der Westen toleriert die rebellischen Politikschritte, die explizit die Souveränität anderer Länder verletzten: Moldawien, Lettland, Georgien und – vor allem – die Ukraine.

Die Europäische Union agiert, als sei sie die neutrale Schweiz der heutigen Welt, und dies gilt besonders für die politische und wirtschaftliche Elite. Doch Europa ist nicht die Schweiz. Europa ist ein Kontinent, auf dem zwei blutige Weltkriege ausbrachen. Deswegen haben wir, die kulturellen und politischen Figuren, sowie Wissenschaft und Medien, die Pflicht, ein scharfes Auge zu bewahren und unsere Länder zu warnen. Wir müssen den alten Illusionen nicht zum Opfer fallen und uns dem Konformitätsdruck nicht beugen. Wir sollten die Führer der EU aufrufen, der aggressiven Politik von Putin ins Gesicht zu sehen.

Wir setzen Putin nicht mit der russischen Nation gleich, wie wir Breschnew nicht mit der russischen Nation gleichsetzten, als er den Afghanistan-Krieg begann. Zu jener Zeit war Russland faire und mutige Stimme Andrej Sacharow, der, im Russischen Parlament, die militärische Intervention in Afghanistan einen „schändlichen Krieg“ nannte. Der gegenwärtige Krieg mit der Ukraine, der mit der Annexion der Krim begann und von Provokationen im östlichen Landesteil aufrechterhalten wird, ist gleichermaßen schändlich, tragisch und gefährlich. Dieser Krieg wird begleitet von russischen Entscheidungen, die für diktatorische Systeme typisch sind, die demokratische Freiheiten ersticken.

Appeasement ist der Weg ins Nichts.

Putin ist kein Politiker europäischen Typs; er ist ein Politiker, der den permanenten Kriegswillen kultiviert. Es gibt viele Zeichen, daß Putin die Büchse der Pandora geöffnet hat. Chauvinisten und Hobby-Konquistadoren eilen aus Russland herbei. Diese Banditen mit modernen, neuen Waffen auszurüsten, ist ein Verbrechen.

Erfahrung lehrt uns, daß ein Dialog mit Putin Zeitverschwendung ist, wenn er nicht durch Einigkeit und Festigkeit unterstützt wird. Putin kümmert sich nicht um die Schwachen und Willensschwachen – und so nimmt er momentan die Mitgliedsstaaten der EU wahr. Sie verschwenden Worte und versuchen, den Kreml mit mehr roten Linien zu beeindrucken. Putin versorgt Söldner mit Waffen und sammelt Truppen an der ukrainischen Grenze, doch die Ukrainer haben das Recht, nach europäischen, demokratischen Standards zu leben: sie haben das Recht, in einem ehrlichen Land zu leben. Vielleicht entscheidet sich die Zukunft der EU heute in der Ostukraine.

Die Antwort Europas sollte die solide Haltung aller EU-Mitglieder und der Gebrauch aller möglichen Mittel: Druck, Stop aller Waffenexporte nach Russland, Anwendung von wirtschaftlichen und politischen Sanktionen.

 

Artikel von: Euromaidan Press (engl.)
Quelle: Euromaidan Press (engl.) 30. Juli 2015
Quelle: Gazeta Wyborcza, 26. Juli 2015

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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