Moskau: Gerichtsverfahren gegen Roofer wegen proukrainischer Aktion eröffnet

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19. August 2015 • Aktionen, Empfehlung, Kultur, Menschenrechte, Nachrichten, Russland

Artikel von: RFE/RL, DW
Quelle: RFE/RL, 17.8.2015
Quelle: DW, 18.8.2015

Wegen “Hassverbrechen” stehen fünf russische Staatsbürger vor einem Moskauer Gericht – nach einer Aktion, bei der am frühen Morgen des 20. August 2014 ein Sowjetstern auf einem Hochhaus in der Nähe des Kremls in den Farben der ukrainischen Flagge gelb-blau angemalt worden war.

Auf der Spitze des Hochhauses aus der Stalin-Ära war zudem eine ukrainische Flagge gehisst worden.

Euromaidan Press auf Deutsch berichete damals:

  • 20. August 2014, Mustang Wanted

Dem Stern an der Spitze des legendären Stalin-Wolkenkratzers, des Kotelnitscheskaja-Ufer-Appartmenthauses, wurde ein außerplanmäßiger Anstrich verpasst.

Der ukrainische Teufelskerl „Mustang Wanted“ postete auf seiner Facebook-Seite, dass er derjenige sei, der die Moskauer „Sieben Schwestern“-Turmspitze in Ukrainisch-Blau-Gelb bemalt habe. Die Moskauer Stadtverwaltung schickte einen Arbeiter, der den Stern wieder übermalen sollte, und der machte ein mittlerweile berühmtes Selfie.[siehe Titelbild]

Dieser politische Streich kam genau in die zunehmenden Spannungen zwischen Moskau und Kyiw, nachdem Russland die Krim annektiert und den Krieg zwischen Regierungstruppen und den von Russland unterstützten Rebellen im Osten der Ukraine begonnen hatte.

Die fünf Angeklagten – drei Männer und zwei Frauen – wurden wegen “Vandalismus und Rowdytum mit dem Ziel, die Lage in Moskau zu destabilisieren und Hass zu schüren” angeklagt.

Sie können bis zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt werdenn, wenn sie für schuldig befunden werden.

Die Aktion fand zu nachtschlafender Zeit auf einem der unter Diktator Josef Stalin errichteten und unverwechselbaren Hochhäuser “Sieben Schwestern” statt, einem 32-stöckigen Wohnhaus an prominenter Stelle flussabwärts vom Kreml.

Vier Angeklagte – Anna Lepjoschkina, Jewgenia Korotkowa, Aleksandr Pogrebow und Aleksej Schirokoschukhow – wurden innerhalb weniger Stunden festgenommen, man wirft ihnen vor, durch einen Sprung mit Fallschirmen von dem 176 Meter hohen Gebäude die Aufmerksamkeit auf die ukrainische Fahne und den bemalten Stern gelenkt zu haben.

Alle vier plädierten am 17. August in der Verhandlung im Moskauer Bezirksgericht Taganka auf nicht schuldig.

Einem fünften Angeklagte, Wladimir Podresow wird vorgeworfen, dem ukrainischen Roofer Pawlo Uschywez – der unter dem Namen Mustang bekannt ist – geholfen zu haben, den Stern zu bemalen und die ukrainische Flagge zu hissen.

Podresow plädierte auf “teilweise schuldig” und gab zu, dass er auf das Dach des Gebäudes geklettert sei, ohne aber in Uschywez’ Plan eingeweiht gewesen zu sein, auf der Spitze eine Flagge zu hissen.

Der Strafverteidiger sagte am 17. August zu RFE/RL, dass seine Mandanten einfach den Nervenkitzel gesucht hatten und nichts mit der Aktion zu tun gehabt hätten.

Uschywez, der sich in der Ukraine aufhält, erklärte zwei Tage nach dem Stunt auf Facebook, dass er die Aktion ausgeführt habe und die nun vor Gericht in Russland stehenden Angeklagten nichts damit zu tun hatten. [Übersetzung ins Deutsche hier]

Er habe mit seiner Aktion auf den Unabhängigkeitstag der Ukraine, der am 24. August gefeiert wird, aufmerksam machen wollen. Außerdem habe er die Ukrainer ehren wollen, die im Konflikt im Osten des Landes ums Leben gekommen sind.

Uschywez hatte auch erklärt, dass er bereit sei, sich in Russland vor Gericht stellen zu lassen, wenn die Behörden dafür die ukrainische Pilotin Nadija Sawtschenko freilassen, die in Russland unter dem Vorwurf der Beteiligung an der Ermordung zweier russischen Journalisten angeklagt ist.


 

Die Deutsche Welle hat über den Prozess gegen die russischen Roofer einen Textbericht und dieses Video erstellt:

Artikel von: RFE/RL, DW
Quelle: RFE/RL, 17.8.2015
Quelle: DW, 18.8.2015

Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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