De Groene Amsterdammer: Chinesen kaufen Russland leer

Gemeinsames russisch-chinesisches Marinemanöver „Interaktion auf dem Meer 2015“ («Морское взаимодействие-2015» -中俄“海上联合--2015 ) - 23. August 2015 im Hafen von Wladiwostok - Foto: Xinhua

Gemeinsames russisch-chinesisches Marinemanöver „Interaktion auf dem Meer 2015“ («Морское взаимодействие-2015» -中俄“海上联合--2015 ) - 23. August 2015 im Hafen von Wladiwostok - Foto: Xinhua 

26. August 2015 • Nachrichten, Russland, Soziales

Artikel von: Helga Salemon
Quelle: De Groene Amsterdammer 35/2015

Die russische Hafenstadt Wladiwostok am Japanischen Meer ist das Salou des russischen Fernen Ostens, in der letzten Zeit sind Chinesen nach den russischen Touristen die größte Besuchergruppe. Durch die Ukraine-Krise und den fallenden Ölpreis steht der Rubel in diesem Jahr unter Druck.

Chinesische Touristen bekommen nun fast doppelt so viele Rubel für ihren Yuan wie im Jahr zuvor, obwohl ihr eigenes Geld in dieser Zeit auch schon zweimal abgewertet wurde.

Während die Russen meist mit mitgebrachtem Essen am Strand sitzen, findet man die Chinesen vornehmlich in den Luxuskaufhäusern. Eine Kommunikation zwischen den Angehörigen beider Nationen fehlt fast völlig. „Fast niemand spricht hier Chinesisch, es geht alles mit Händen und Füßen“, so eine Verkäuferin in einem Kiosk.

Der Touristenstrom über die russisch-chinesische Grenze, hundert Kilometer von Wladiwostok entfernt, ist mittlerweile eine Einbahnstraße. Die Chinesen kommen zwar nach Russland, doch der Strom in die Gegenrichtung ist versiegt. „China ist für die meisten Russen zu teuer geworden“, weiß Wassilij, der Fahrer des Busses, der jeden Tag zwischen Wladiwostok und der chinesischen Stadt Harbin fährt. Auch Geschäftsreisende kommen kaum noch über die Grenze. „Weil die Russen durch die Wirtschaftskrise weniger Geld haben, haben mittlerweile viele chinesische Verkäufer den russischen Fernen Osten wieder verlassen“, weiß der Busfahrer.

Auf der chinesischen Seite der Grenze liegt Harbin, eine Stadt mit ca. 3,5 Millionen Einwohnern. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zogen viele Juden aus Russland in die Stadt und brachten Harbin eine wirtschaftliche Blüte. In der früheren Synagoge wird mit unglaublicher Genauigkeit vermeldet, dass der letzte jüdische Einwohner Harbins 1986 starb. [Anm. d. Übers.: Hier irrt die Autorin: Harbin wurde 1898 von Russen gegründet und erreichte seine Blüte durch diejenigen, die vor den Bolschewiken flohen. Traurigen Ruhm erreichte die Stadt als erster Stationierungsort der berüchtigten Kriegsverbrechereinheit 731. Bis 1935 befand sich hier ein Gefängnis, in dem die menschlichen Versuchskaninchen verwahrt wurden.]

In der Hauptstraße von Harbin findet man immer noch viele quasi-russische Souvenirgeschäfte, Restaurants und Biergärten. Das einzige, das fehlt, sind die Russen selbst. Verkäufer, Einwohner und Touristen – fast jeder hier ist Chinese.

„Nein, hier sind fast keine Russen, die liefern ihre Produkte ab und gehen sofort wieder zurück“, erzählt die Verkäuferin Yingjia. Das erklärt auch, wie es möglich ist, dass ein Portrait von Putin über einem Regal hängt, auf dem – Seite an Seite mit russischer Schokolade – Roshen-Schokolade aus dem Unternehmen des heutigen ukrainischen Präsidenten Poroschenko steht.

Weil die Chinesen so gnädig sind, dürfen die Russen ein paar Matrjoschkas und Pelzmützen nach Harbin exportieren und China zu Spottpreisen Gas verkaufen, aber damit ist jetzt vorläufig Schluss.

Artikel von: Helga Salemon
Quelle: De Groene Amsterdammer 35/2015

Bild: Xinhua
Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

Schlagworte:, , ,