Gefangener russischer Major bittet Putin um Hilfe

Major Wladimir Starkow – Foto: euronews

Major Wladimir Starkow – Foto: euronews 

26. August 2015 • Empfehlung, Krieg im Donbas, Nachrichten, Politik, Russland

Artikel von: Mike Eckel
Quelle: businessinsider.com 13.8.2015

Der ukrainische Geheimdienst hat ein neues Video veröffentlicht und sagt, es zeige einen im vergangenen Monat gefangengenommenen russischen Major, der an Präsident Wladimir Putin appelliert, seine Freilassung sicherzustellen.

Der Soldat im Video wurde von ukrainischen Geheimdienst (SBU) als Major Wladimir Starkow identifiziert, der, so die ukrainischen Offiziellen, zugab, dass er zur Zeit seiner Gefangennahme in den russischen Streitkräften diente.

Wahrscheinlich benutzt die Ukraine dieses Video, um ihre Aussage abzustützen, dass Russland „Separatisten“, die in der Ostukraine die Streitkräfte Kyiws bekämpfen, unterstützt und die Waffenstillstandsvereinbarungen untergräbt, die im Februar in Minsk erreicht wurden.

Russland hat wiederholt bestritten, dass seine Soldaten in der Ukraine kämpfen, obwohl eine anwachsende Menge an Beweisen das Gegenteil belegt. Der Kreml hat eingeräumt, dass russische Staatsbürger, darunter auch Soldaten, an der Seite der „Rebellen“ kämpfen, und sagt, es handle sich um Freiwillige, die außerhalb offizieller Kontrolle operieren.

Moskau hat auch geleugnet, die schweren, modernen Waffen geliefert zu haben, die wiederholt in der Ostukraine bei den „separatistischen“ Kräften gesehen wurden.

In dem am 13. August auf youtube vom SBU veröffentlichten Video wird der Mann, der sich nicht identifiziert, in einer Tarndruck-Jacke gezeigt, glatt rasiert mit Ausnahme eines Schnäuzers und eines Spitzbarts. Er spricht Russisch und wendet sich direkt an Putin mit der Bitte, ihn als aktiven Soldaten anzuerkennen und sich für seine Freilassung einzusetzen.

Ein Offizier des ukrainischen Geheimdienstes SBU steht während eines Briefings am 29. Juli neben einem Monitor, in dem, so der SBU, ein russischer Major zu sehen ist, der von ukrainischen Soldaten gefangengenommen wurde. - Foto: REUTERS/Valentyn Ogirenko

Ein Offizier des ukrainischen Geheimdienstes SBU steht während eines Briefings am 29. Juli neben einem Monitor, in dem, so der SBU, ein russischer Major zu sehen ist, der von ukrainischen Soldaten gefangengenommen wurde. – Foto: REUTERS/Valentyn Ogirenko

„Ich bin kein Offizier der Kampftruppe, ich bin nur ein ,Stabsarbeiter‘,“ sagt er.

„Ich habe 19 Jahre in der russischen Armee gedient. Und nun bekennen sie sich nicht zu mir. Sie sagen, es gebe in den Streitkräften niemand mit diesem Namen, der in der Armee gedient hätte. Wie können sie das machen?“ sagte er.

„Ich bin kein Terrorist“

Es ist unklar, wo das Zwei-Minuten-Video aufgenommen wurde oder ob der Mann unter Druck gesetzt wurde, diese Aussagen zu machen.

Der Chef des ukrainischern Geheimdiensts, Wasyl Hryzak, sagte zuvor Reportern, dass Starkow am 26. Juli an einem Kontrollpunkt außerhalb der „separatistisch“ besetzten Stadt Donezk gefangengenommen worden sei. Starkow sei am 29. Juli wegen Terrorismus angeklagt worden, einen Vorwurf, den der Mann in dem Video bestreitet.

„Ich bin kein Terrorist. Ich bin nicht hierhergekommen, um irgendjemanden zu töten. Ich habe keinen Widerstand geleistet, weil ich wusste, daß wir offiziell keine Feinde sind,“ sagt der Mann.

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„Ich fordere, dass irgendjemand anerkennt, dass ich ein russischer Soldat bin und mir irgendwie hier raushilft,“ fügt er hinzu.

Als Antwort auf die Erklärung über die Gefangennahme von Starkow hat der Sprecher des Kreml, Dmitrij Peskow, erneut dementiert, dass Russland in den Konflikt verwickelt sei.

Einen Tag zuvor hatte Euronews Auszüge aus einem Interview mit einem Mann veröffentlicht, der derselbe Mann zu sein scheint, wie der auf dem Video. In dem Interview wird der Mann, den Euronews ebenfalls als Starkow identifiziert, mit der Beschreibung zitiert, wie er in die Ukraine befohlen wurde.

„Hochrangige Offiziere versammelten uns ein einem Konferenzraum und kündigten an, dass unsere Dienstposten dieselben waren, die man uns zugesagt hatte, doch wir würden unseren Dienst in den „Volksrepubliken“ von Donezk und Luhansk versehen. „Es wurde verboten, unsere Familien darüber zu unterrichten,“ wird er von Euronews zitiert.

Nach Monaten einer relativen Waffenpause sind die Kämpfe wieder aufgeflammt; u.a. Berichten zufolge mit schwerer Artillerie neben dem strategisch wichtigen Seehafen von Mariupol am Asowschen Meer. Die ukrainische Regierung machte die Kräfte der „Rebellen“ für die Eskalation der Kämpfe verantwortlich, während der Kreml Kyiw beschuldigte, die Gewalt anzuheizen.

Der Kreml bestreitet jegliche Verwicklung in die Kampfhandlungen in der Ukraine – Foto: REUTERS/Host Photo Agency/RIA Novosti

Der Kreml bestreitet jegliche Verwicklung in die Kampfhandlungen in der Ukraine – Foto: REUTERS/Host Photo Agency/RIA Novosti

Die vereinten Nationen sagen, in dem „Konflikt“ zwischen den ukrainischen Streitkräften und den „Separatisten“ in der Ostukraine seien seit dem Ausbruch der Kämpfe im April 2014, einen Monat nachdem Russland die ukrainische Krim annektiert hatte, mehr als 6.400 Menschen getötet worden. Die Annexion der Krim wird von der Mehrheit der Mitglieder der Vereinten Nationen als illegitim erachtet.

Die Ukraine machte Anfang dieses Jahres öffentlich, dass sie zwei aktive russische Soldaten – Jewgenij Jerofejew und Aleksander Alexandrow – gefangengenommen hatte, die in der Luhansker Region der Ostukraine gegen Kyiw kämpften.

Die zwei Männer sagten, sie hätten zur Zeit ihrer Gefangennahme eine Aufklärungsmission durchgeführt, Moskau behauptet, sie seien zu dieser Zeit nicht im aktiven Dienst gewesen.

Siehe hierzu auch: Moskau lässt die eigenen Männer fallen und Soldatenmutter fordert von Russland: „Lasst meinen Sohn nicht hängen!“

Artikel von: Mike Eckel
Quelle: businessinsider.com 13.8.2015

Bild: Reuters
Übersetzt von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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