Gläubige fühlten sich wieder beleidigt – Kulturobjekte in Russland zerstört bzw. beschädigt

Die Ausstellung in der "Manege" in Moskau

Die Ausstellung in der "Manege" in Moskau 

30. August 2015 • Empfehlung, Kultur, Nachrichten, Russland

Artikel von: Aleksandrina Elagina
Quelle: Nowoje Wremja/The New Times, 26.8.2015

An einem Tag gab es Überfälle auf zwei Kulturobjekte – ein Haus in Sankt-Petersburg und zum wiederholten Male auf eine Ausstellung in der Moskauer “Manege”:

Am Abend des 26. August gab es einen erneuten Überfall auf die Ausstellung “Skulpturen, die wir nicht sehen”. Zwei Besucher – Mann und Frau – rissen eine Arbeit aus der Zyklus-Reihe “101” von Wadim Sidur ab und drohten mit der Zerstörung der ganzen Ausstellung.

“Ein Mann und eine Frau schauten sich zunächst ruhig die Ausstellung an. Dann rissen sie plötzlich das Werk von Wadim Sidur aus dem Jahr 1971 runter, begannen zu schreien und wurden laut gegenüber anderen Besuchern”, so Elene Karnejewa, die Pressesprecherin des Ausstellungskomplexes “Manege”, über die Einzelheiten des Vorfalls. “Das Werk weist keine sichtbaren Beschädigungen auf. Aber es wurde so heftig runtergerissen, dass ein Experte entscheiden muss, in welchem Zustand es jetzt befindet, nachdem es mit Händen berührt wurde.”

Laut Kornejewa ist die Polizei vor Ort: “Es werden Vorfeldermittlungen durchgeführt. Wir erstatten Anzeige. Alles ist also wie letztes Mal.”

Vier Werke derselben Reihe wurde bereits früher beschädigt: Vertreter der Bewegung “Gottes Wille” griffen die Ausstellung am 14. August an. Das Allrussische Grabar-Restaurationszentrum schätzte, dass zwei der Werke eine längere Restauration benötigen. Die Ausstellungsstücke befinden sich im staatlichen Besitz, sind aber nicht versichert.

Der Mephistopheles vor seiner Entfernung

Der Mephistopheles vor seiner Entfernung

Währenddessen wurde am selben Tag, dem 26. August, bekannt, dass gegen drei Uhr eine Figur, die Mephistopheles mit gefalteten Händen darstellte, von der Hausfassade in Sankt-Petersburg abgeschlagen wurde. Über den Vandalismus berichtete als Erster der Historiker Dmitrij Bratkin auf Facebook: “Auf der Petrograder Seite gab es eine eigene Sehenswürdigkeit, das Mietshaus von Lischnewskij, das auch salopp “das Haus mit Mephistopheles” genannt wurde. Das war einmal. Denn vor 15 Minuten wurde Mephistopheles von der Fassade abgeschlagen. Vor ein paar Tagen wurde ein Kreuz auf der Kirche aufgestellt, die gegenüber gebaut wird, gestern liefen da irgendwelche muntere Menschen herum und machten Fotos von der Fassade mit Mephisopheles, und heute kam ein Arbeiter vom Dach runter und “zack-zack” – weg war er.“

Das Haus mit Mephistopheles in der Lachtinskaja-Straße, 24 auf der Petrograder Seite steht unter Denkmalschutz. Es wurde 1910-1911 nach einem Projekt des Architekten Aleksandr Lischnewskij erbaut. Momentan wird auf der anderen Straßenseite eine Kirche der Heiligen Ksenija von Petersburg erbaut.

Artikel von: Aleksandrina Elagina
Quelle: Nowoje Wremja/The New Times, 26.8.2015

Übersetzt von: Anna Lange-Böhmer
Redigiert von: Übersetzerteam Euromaidan Press auf Deutsch

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