„Um das zu überleben, muss man aus Stein sein.“

Jurij Jazenko in Prag

Jurij Jazenko in Prag 

19. Oktober 2015 • Empfehlung, Menschenrechte, Nachrichten, Russland

Artikel von: Dmitrij Woltschek
Quelle: Radio Free Europe / Radio Liberty, 25.9.2015

Die Erzählung eines Lwiwer Studenten, der in den Folterkammern des FSB saß.

 

In der Tschechischen Republik ist Jurij Jazenko, der ein Jahr lang in russischen Gefängnissen war, in Rehabilitation. Der 23-jährige Jura-Student aus Lwiw verdiente nebenher ein wenig Geld durch den Verkauf von Elektronik nach Russland. Im Mai 2014 wurden Jurij und sein Kollege Bogdan Jaritschewskij in einem Hotel in Obojan im Oblast Kursk festgenommen. Die auf den ersten Blick lapidare Untersuchung zog sich hin und der FSB weckte Interesse an Jurij. Er wurde schwer gefoltert, da sie herausfanden, dass er auf dem Maidan war. Im März 2015 verurteilte ihn ein russisches Gericht zu zwei Jahren Lagerhaft auf Grundlage einer konstruierten Beschuldigung der gesetzeswidrigen Lagerung von Sprengstoff. Eine internationale Unterstützungskampagne war erfolgreich: Im Mai wurde Jurij Jazenko freigelassen und kam nach Lwiw zurück. Er beendete sein Studium und setzt sich jetzt für die Befreiung ukrainischer politischer Gefangenen in russischen Gefängnissen ein. Jurij Jazenko war im Prager Studio von Radio Liberty und erzählte, was mit ihm in Russland geschah und berichtete über sein Leben nach der Freilassung.

         Obwohl der russische Geheimdienst nach keinerlei Logik handelt und einen Sinn in seiner Vorgehensweise sehr schwierig zu finden ist, kann man sich doch ein bisschen vorstellen, warum Nadeschda Sawtschenko gefangen genommen wurde und warum so mit Senzow umgegangen wurde. Aber was hatten sie an Ihnen? Das ist ein vollkommenes Rätsel. Haben Sie Vermutungen über die Hintergründe Ihrer Festnahme?

         Ich erzähle Ihnen, wie ich festgenommen wurde. Ich war im Hotelzimmer, am Morgen klopften Mitarbeiter der Kriminalpolizei und sagten: „Kommen Sie mit zur Überprüfung Ihrer Dokumente.“ Ich fragte nach, ob ich etwas falsch gemacht hatte. Sie sagten, nein, das ist eine Formalität. Ich habe begriffen, dass ich dem nicht mehr entgehen konnte. Ich dachte, dass es vielleicht mit meiner Registrierung in Lwiw zu tun hatte. Die Situation war durch die Propaganda nämlich so, dass man sich zu den Lwiwer BürgerInnen mit Vorsicht verhielt. Ich dachte, sie würden das überprüfen, sich beruhigen und dann wäre alles wieder gut. Bei der städtischen Polizeibehörde wurden in allen Datenbanken gesucht, sie nahmen Fingerabdrücke und kontrollierten den Pass. Sie wollten mich schon freilassen, aber nach einigen Stunden kam ein FSB-Mitarbeiter und zeigte Fotos von mir auf dem Maidan.

         Wie haben sie die Fotos denn gefunden? In sozialen Netzwerken?

         Damals war ich gar nicht in sozialen Netzwerken, aber meine Freunde. Auf dem Maidan war ich beinahe die ganze Zeit, schon ganz am Anfang des Euromaidan, bei den friedlichen Stundentenprotesten und bis zur aktivsten Phase, bis zu dem Zeitpunkt, als geschossen wurde. Ich arbeitete dann als Sanitäter, bei der medizinischen Erstversorgung war ich als Freiwilliger tätig.

         Und Ihre Freunde haben diese Fotos in sozialen Netzwerken hochgeladen?

         Die Fotos waren auf den Seiten meiner Freunde. Der FSB hat genug Spezialisten, um an solche Informationen zu kommen.

         Was hat hier wozu geführt? Was meinen Sie? Haben sie Ihre Fotos in den sozialen Netzwerken entdeckt und holten sie Sie daraufhin im Hotel ab oder haben sie Sie zuerst festgenommen und suchten dann nach kompromittierendem Material?

         Ich denke, zuerst haben Sie mich festgenommen. In dieser kleinen Stadt gibt es nur zwei Hotels. Ich denke, sie wollten einfach nur überprüfen: Da sind zwei junge Männer aus Lwiw gekommen, lasst sie uns überprüfen. Das war noch vor dem 9. Mai. Aber das ist nur meine Einschätzung, ich kann mir nicht sicher sein.

         Glauben Sie, das war Zufall und sie waren nur an der ukrainischen Registrierung interessiert?

         Nach meinem Gefühl war das Zufall. Dann kam der FSB mit konkreten Vorschlägen auf mich zu: Du arbeitest mit uns und dir passiert nichts. Ich sollte also öffentlich im Fernsehen auftreten und sagen, dass mich die Ukraine hierher geschickt habe, ich aber keine verbrecherischen Aufträge der Ukraine ausüben möchte und zum FSB gehe, damit mir die FSB-Mitarbeiter helfen.

         Als Terrorist oder Spion hingeschickt? Was für eine Legende haben sie sich denn da ausgedacht?

         Einmal haben sie gesagt: Sag, dass Jarosch dich geschickt hat. In einem anderen Gespräch meinten sie, ich solle sagen, dass Naliwajtschenko mich geschickt habe, der damals den ukrainischen Sicherheitsdienst leitete. Das dritte Mal hieß es, die Ukraine hätte mich geschickt. Klärende Fragen, wie sich denn die Legende genau anhören sollte, habe ich nicht gestellt, da sie das so hätten verstehen können, als wollte ich mit Ihnen zusammenarbeiten.

         Haben sie Ihnen erklärt, warum sie sich genau an Ihnen festgeklammert haben?

         Ja, es gab Begründungen, da es sehr viele Gespräche gab. Es gab so eine Situation in der FSB-Zentrale des Oblasts Kursk. Ich wurde in die Zentrale von Mitarbeitern des Sondereinsatzkommandos mit einem Sack über dem Kopf geführt und vor dem Gespräch ordentlich geschlagen. Sie sagten: Du wirst mit wichtigen Personen sprechen, du musst dich gut benehmen. Ich sagte: Ich werde mich gut benehmen. Die wichtigen Personen waren zwei Männer in einem Büro. Der Tisch war gedeckt, wir sprachen über mein ganzes Leben, meinen Lebenslauf, über all meine Ansichten. Sie sagten: Weißt du, du bist Patriot deines Landes, du liebst es, wir lieben auch dein Land: die Ukraine, das ist ein Brudervolk. Aber versteh‘ uns, bei euch haben die Amerikaner die Macht ergriffen, deren Befehle die Junta ausübt, du musst deinem Land helfen. Wir helfen deinem Land, hilf auch du deinem Land. Ich habe nochmals abgelehnt, habe gesagt, das interessiert mich nicht. Danach gaben sie mir zu verstehen, dass sie mich dazu zwingen. Es kamen FSB-Mitarbeiter vom Sondereinsatzkommando in den Raum, sie schlugen ein wenig und drückten mir die Luft ab. Ich sagte, dass ich das trotzdem nicht tun könne. Sie sagten: „Führt ihn weg, nehmt ihn euch vor.“ Mir war bewusst, dass ich jetzt wohl gefoltert werden würde und bat, auf die Toilette gehen zu dürfen. Auf der Toilette verletzte ich mir den Kopf, denn sie schlugen mich so, dass keine Spuren zu sehen waren, ich habe mir den Kopf in der Ecke an die Wand geschlagen. Trotzdem haben sie mich blutig geschlagen, in den Wald geführt, mich in „Schwalben-Pose“ an einen Haken gehängt, mich einige Stunden an den Genitalien geschlagen, in den Bauch, mit einem Sandsack auf dem Kopf. Sie haben mich sehr schwer gefoltert. Ich kann jetzt jeden Menschen verstehen, der unter Folter Geständnisse macht. Jeden Menschen kann man brechen, das weiß ich jetzt.

         Wie haben sie es geschafft, Sie nicht zu brechen? Sie waren noch nie in einer solchen Situation, Sie waren nicht darauf vorbereitet, Sie sind kein Politiker, kein Kämpfer, woher haben Sie eine solche Standhaftigkeit?

         Meine Lebenserfahrung hat mir sehr geholfen. Mir hat geholfen, dass ich viel rationaler bin als emotional, ich habe mich gut kontrolliert. Ich habe alles nur aus dem Blickpunkt der Vernunft analysiert. Ich habe eine juristische Ausbildung, ich habe verstanden, was sie mit mir tun können. Ich hatte immer Pläne, wie ich auf ihre Angriffe reagieren sollte. Und als ich gefoltert wurde, habe ich verstanden, dass ich keinen Ausweg habe, da niemand weiß, wo ich bin, ich kann niemanden um Hilfe bitten, ich war komplett isoliert. Deshalb habe ich beschlossen, meinen Organismus in einen Zustand zu bringen, in dem sie mich nicht mehr foltern werden und ein Ultimatum zu geben. Ich habe mir die Venen aufgeschnitten, den Bauch, ich habe sehr schnell Blut verloren. Ich sagte, dass ich nicht zulasse, dass sie mich nähen, solange ich nicht telefonieren darf. Da das Blut wie eine Fontäne aus mir schoss, gaben sie mir ein Telefon und ich konnte in die Ukraine telefonieren. Außerdem war ich von Anfang an mit Kriminellen zusammen, habe mich vorbereitet, sie gefragt, wie man leben muss und durchhält in dieser Welt. Nach einigen Monaten kannte ich mich sehr gut im Leben in russischen Gefängnissen aus und das hat mir geholfen. Natürlich habe ich schon ab dem ersten Tag verstanden, dass man, um dort zu überleben, zu Stein werden muss. Ich hatte nur wenige Auswege: Entweder neige ich mir Eigenschaften an, die mir helfen, dort zu überleben, oder ich arbeite mit ihnen zusammen.

         Die zweite Möglichkeit habe Sie für sich komplett ausgeschlossen?

         Wissen Sie, wenn ich das gefragt werde, erinnere ich mich an folgende Situation: Du hängst und wirst in die Leiste geschlagen. Männer können das gut verstehen. Nach 20 Minuten ist das nicht mehr auszuhalten, denn wenn du einen Sack über dem Kopf hast, weißt du nicht, wann der nächste Schlag kommt. Man sagt, dass sie nicht aufhören, wenn sie das schon eine halbe Stunde tun, werden sie dich zunichtemachen und auf nichts mehr hoffen. Du denkst immer daran, dass du kaputt wirst, dass du es nicht aushältst, weil es keine Hoffnung gibt. Ich rede genau von diesem Fall der Folter, denn das ist am schwierigsten auszuhalten. Ich hab es mir zur Aufgabe gemacht, nicht alles auszuhalten, sondern einen Schlag auszuhalten, dann noch einen und noch einen und so habe ich Schlag für Schlag gedacht: So viele habe ich bereits ausgehalten, einen werde ich noch aushalten. Mir hat sehr geholfen, dass sie eine Pause machten, sie haben die nächste Folterrunde auf den nächsten Tag verschoben, und als ich mir die Venen aufschnitt, hatte ich es richtig vorausgesehen, dass sie mich danach nicht mehr foltern konnten.

         Und danach wurden Sie nie mehr gefoltert?

         Gleich am nächsten Tag, als sie mich zunähten, brachten sie mich zurück in die Haftanstalt. Als das Wachpersonal in die Zelle kam, nahm ich sofort eine Rasierklinge, die waren dort erlaubt und ich legte sie mir an die Halsschlagader und drohte, sie mir aufzuschneiden. Natürlich ging es überhaupt nicht um einen möglichen Suizid, es war nur Manipulation von meiner Seite aus. Sie wussten das nicht, sie hatten Angst, dass ich, wenn ich mir schon die Pulsadern aufgeschnitten hatte, weitermachen könnte. Sie wussten, wenn ich mir die Halsschlagader aufschneide, sie mich dann nicht mehr retten können. Deshalb sagten sie jedes Mal, wenn sie zu mir reinkamen, „Jazenko, wir kommen nicht zu dir, beruhig’ dich.“

         Den Rasierer wegzunehmen war nicht möglich?

         Ich habe angenommen, dass sie dann schnell angerannt kommen können. Ich wusste bereits, wie ich die Wange aufschneiden muss: Man muss die Haut abziehen, die abgezogene Haut kann einfach geschnitten werden, um nicht die Arterien zu verletzen. Es wurde nicht versucht, das Rasierzeug wegzunehmen. Das ist von ihrer Seite ziemlich schwierig, da das Sondereinsatzkommando nicht einfach so reinkommen darf, dafür braucht es Gründe, es gibt dort Videoüberwachung auf den Gängen, das normale Wachpersonal wäre damit nicht einverstanden gewesen, da das eine spezielle Haftanstalt für Ausländer war. Das war kein Untersuchungsgefängnis. Sie konnten sich nicht auch noch mit diesem Problem beschäftigen. Sie wussten nicht, ob sie es schaffen, den Rasierer wegzunehmen, solange ich mir noch nichts angetan hatte, oder ob sie es nicht schaffen, deshalb hat ihn niemand weggenommen.

         Sie sagten, dass Sie sich mit Mithäftlingen berieten. Wie haben die anderen Häftlinge auf Sie reagiert? Haben sie verstanden, warum Sie dort inhftiert waren?

         Es geht hier um spezielle Haftanstalten für Ausländer. Dort waren Strafgefangene aus dem ganzen GUS-Raum inhaftiert, die ihre Haftstrafe in den jeweiligen Haftanstalten abgesessen hatten und nun hierher in dieses spezielle Gefängnis für die weitere Rückführung in ihr Heimatland gebracht worden waren. Dort saßen Migranten, weil sie die Migrationsbestimmungen verletzt hatten. Die Haftbedingungen waren dort sehr schlecht, Handys waren nicht erlaubt, Fernseher gab es nicht, duschen durfte man noch nicht einmal einmal pro Woche, eine Zelle von ungefähr 30 Quadratmetern war für 15 Personen, die hygienischen Bedingungen waren sehr schlecht: Ich hatte vier Monate lang Krätze, unter Behandlung leidet man normalerweise eine Woche darunter. Deswegen organisierten wir Hungerstreiks. Das komplette Gefängnis, alle ausländischen Gefangenen haben gehungert. Als die Verwaltung nach zwei, drei Tagen sich langsam anfing, Sorgen zu machen, waren sie nicht zu Verhandlungen bereit. Da ich eine juristische Ausbildung habe, konnte ich von allen am besten unsere Rechte darlegen. Und so kam es, dass ich die ganze Zeit als Verfechter der Rechte von diesen Ausländern auftrat. Sie sagten: Wir können das nicht so gut wie du sagen, deshalb führst am besten du die Verhandlungen mit der Verwaltung. Als der Hungerstreik begann, kam die Verwaltung sofort zu mir. Deshalb hatte ich große Unterstützung. Als ich von FSB-Mitarbeitern zur Einleitung eines Strafverfahrens von dort weggeführt wurde und ich schrie: „Hilft mir, ich brauche einen Anwalt!“ Es kam zu einer Revolte, Fensterscheiben klirrten. Ich wurde mit zusammengeschlagenen Händen von den FSB-Schergen hinausgezogen und die anderen Häftlinge warfen alles, was ihnen zwischen die Hände kam, aus dem Fenster durch das Gitter auf die FSBler. Es hat gut getan, eine solche Unterstützung zu spüren. Dafür hat mir die Verwaltung danach folgende Beschreibung ausgestellt: Ich sei „pronationalistisch gegenüber der russischsprachigen Bevölkerung und zum Territorium, das sie einnimmt, eingestellt, heize immer zu Revolten zwischen der Verwaltung und den Bürgern an.“ Diese Formulierung ist ein Zitat aus einem offiziellen Dokument.

         Gab es noch ähnliche Fälle in diesem Gefängnis, also Ukrainer, deren Festnahme einen politischen Hintergrund hatte?

Der Anarchist Dmitrij Resanowitsch wurde in Russland festgenommen. Im Juli 2014 wurde er nach Belarus gebracht.

Der Anarchist Dmitrij Resanowitsch wurde in Russland festgenommen. Im Juli 2014 wurde er nach Belarus gebracht.

         Es gab Dmitrij Resanowitsch, ein belarussischer Anarchist, der aus Belarus auf den Maidan fuhr. Als er die belarussische Grenze überschritt, wurde er auch wegen der Verletzung der Migrationsgesetzgebung festgenommen. Er sagte mir selbst, dass die FSB-Mitarbeiter gegen ihn Gewalt anwandten, weil er auf dem Maidan war. Es gab ein Fall, da wurde ein Moldauer an der Grenze gefasst, er saß auch mit mir. Er sagte, dass er wirklich gesetzeswidrig die Grenze übertrat. Als er festgenommen worden war, zogen sie ihn aus, er hatte den Schriftzug „Eisener Kämpfer“ auf Englisch auf den Rücken tätowiert, er hat dieses Tattoo schon seit seiner Kindheit. Die FSBler haben ihn mehrmals versucht zu überzeugen, dass er ein „Eisener Kämpfer“ des „Rechten Sektors“ ist. Ich weiß nicht, wie es mit ihm weiterging, ich konnte ihn nicht kontaktieren. Ich mache mir Sorgen darüber, was mit ihm passiert ist.

         Diese Paranoia um den „Rechten Sektor“ hat in Russland alle erfasst…

         Als ich aus der Untersuchungshaft freigelassen wurde, musste ich bei der Gefängnisleitung ein Schreiben über die Freilassung unterschreiben. Der Leiter sagte: „Weißt du, dass Jazenjuk dir gestern den Orden „Held der Ukraine“ gegeben hat?“ Ich sagte: „Für welche Verdienste denn?“ Er: „Dafür, dass du der beste Spion in der Russischen Föderation bist.“ Die FSB-Mitarbeiter sagten der Leitung des Untersuchungsgefängnisses, dass ich wirklich ein Spion aus der Ukraine sei, so wurde mit mir umgegangen. Ich saß in einem Sicherheitsblock, dort werden in der U-Haft die gefährlichsten Verbrecher festgehalten, von denen angenommen wird, dass sie eine Strafe von 15 Jahren oder mehr bekommen oder boshafte Störer des Regimes. Ich hatte in Belgorod eine 24-Stunden-Videoüberwachung, rund um die Uhr wurde ich abgehört. Es gab drei oder vier vollständige Untersuchungen pro Tag. Sogar die Aufseher hatten wegen meines Rufs Angst vor mir, da die FSB-Mitarbeiter sagten, ich sei ein Spion aus der Ukraine.

         War Ihnen zu diesem Zeitpunkt der Rasierer schon abgenommen worden?

         Der Rasierer, das war als ich im Gefängnis für ausländische Inhaftierte war, damals wurde mir ein Verwaltungsdelikt angehängt. Dann nach drei Monaten wurde ein Strafverfahren gegen mich eröffnet und ich wurde in Untersuchungshaft gebracht. Es tauchte ein Zeuge auf, der sagte, dass ich ihm 2013 eine Tasche zur Aufbewahrung abgegeben hätte. Was sich in dieser Tasche befände, wisse er nicht und er gibt die Dinge freimütig heraus. Das sind die 30er-Jahre unter Stalin! Er gibt die Dinge einfach her und sagt, dass die Tasche mir gehöre, gegen mich wird ein Verfahren eingeleitet wegen Schmuggel von Sprengkörpern im Jahr 2013. Das Verfahren wurde dann wieder eingestellt. Interessant ist, dass der Zeuge vor Gericht aussagte, mich zum ersten Mal zu sehen.  

 

Jurij Jazenko in der Zentrale von Radio Liberty

Jurij Jazenko in der Zentrale von Radio Liberty

         Sie versuchen jetzt eine vollständige Rehabilitation zu erlangen. Sie wurden ja nicht freigelassen, weil man Sie für unschuldig hielt…

         Das ist interessant: Sie haben ein Verfahren gegen mich eingeleitet, haben es falsifiziert, aber nicht korrekt falsifiziert. Ich wurde beschuldigt, Sprengstoff besessen zu haben, Schießpulver für die Jagd. Und im Strafgesetzbuch der Russischen Föderation ist der Besitz von Jagdschießpulver schon lange keine Straftat mehr, das heißt, dort steht direkt: der Besitz von Waffen, Sprengstoff, Jagdwaffen ausgenommen, Munition dafür und Bestandteile der Munition. In Arikel 222: Für den Besitz von Jagdmunition darf kein Verfahren eröffnet werden. Außerdem gibt es genug Gerichtsentscheide, Entscheide des Obersten Gerichtshofs und Erklärungen, dass das kein Verbrechen ist. Das ist genau dasselbe, wie wenn man ein Verfahren wegen Zucker einleitet.

         Und wie haben Sie versucht, Gerechtigkeit zu erlangen?

         Damit ich beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte Beschwerde einlegen kann, musste ich durch alle russischen Instanzen gehen, das heißt zuerst Beschwerde in zweiter Instanz, in der ersten habe ich sie bereits eingelegt, dann beim Obersten Gerichtshof, und erst nach dem Obersten Gerichtshof, wenn ich weiterhin bei allen für schuldig gehalten werde, kann ich mich an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wenden.

         Haben Sie genug Energie dazu, denn es ist doch klar, dass der Oberste Gerichtshof auf jeden Fall die vorherigen Entscheidungen bestätigen wird?

         Ich hoffe trotzdem, dass der Oberste Gerichtshof seine Entscheidung ändern wird. Aber selbst wenn er es bestätigt, wird sich der Europäische Gerichtshof doch, so glaube ich, objektiv mit meinem Fall auseinandersetzen.

         Sie sind jetzt in Tschechien auf Einladung einer tschechischen Organisation in Reha.

         Das ist die Organisation „Mensch in Not“, sie hat mich unterstützt, als ich im Gefängnis war, sie gaben mir Geld für meinen Anwalt. Der ukrainische Staat gab mir weder Geld für juristische Hilfe, noch bekommen unsere jetzigen politischen Gefangenen, die sich momentan in Russland befinden, Geld dafür. Die tschechische Organisation „Mensch in Not“ half. Jetzt haben sie mich eingeladen, hier eine Reha zu machen und eine Konferenz zu besuchen. Psychisch und physisch fühle ich mich gut, das einzige sind noch die Wunden an den Händen, aber die sind auch schon mehr oder weniger zugenäht, ich brauche jetzt keine Behandlung mehr, glaube ich. In den ersten Tagen war natürlich alles sehr schlimm. Da ich sogar Blut im Urin hatte nach der Folter, war das Gehen sehr schwierig, in der Leiste hatte ich Schmerzen. Aber ein Jahr ist vergangen und ich habe mich erholt.

5DE447B5-3596-4F00-A21C-AC1D30F4C8F1_w640_r1_s

         Und jetzt helfen Sie auch ukrainischen politischen Gefangenen, die in Russland in Haft sind, Sie nehmen an Kampagnen teil?

         Ja, ich nehme an Kampagnen der NGO „Euromaidan SOS“ teil, dank deren Engagement ich freikam. Sie haben mich sehr unterstützt, haben an alle Türen geklopft, trieben Geld für den Anwalt auf, suchten internationale Unterstützung und Unterstützung von Seiten russischer NGOs und bei der ukrainischen Regierung. Jetzt ist es meine moralische Pflicht, dasselbe zu tun, ich bemühe mich, mich in die Arbeit zur Befreiung der ukrainischen politischen Gefangenen einzubringen.

         Alle kennen die Namen Senzow, Sawtschenko, Koltschenko und Afanasewa, aber es gibt auch andere, von denen viel weniger bekannt ist.

         Und das ist das Problem. Ich finde, dass unser Staat eine viel zu lasche Informationspolitik betreibt, was die Berichterstattung über weniger bekannte politische Gefangene betrifft. Man muss mehr darüber berichten. Es gibt keine abgesprochenen Handlungen zwischen den verschiedenen Strukturen, dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten, dem Geheimdienst, der Generalstaatswanwaltschaft und der Präsidialverwaltung zur Befreiung von politischen Gefangenen. Es gibt keinen Verantwortlichen, der konkret sagt, was getan wird. Alles endet mit allgemeinen Erklärungen in den Medien und, wie ich sagte, gibt es noch nicht einmal Geld für einen Anwalt für die ukrainischen politischen Gefangenen. Diese Situation muss verbessert werden. Mich macht die Situation der Personen sehr traurig, zu denen weder der ukrainische Konsul, noch ein Anwalt Kontakt hat. Zum Beispiel die Geschichte von Nikolai Karpjuk. Er ist schon seit einem Jahr gefangen und weder ein Anwalt, noch der ukrainische Konsul hatten zu ihm Kontakt. Was dort mit dem Menschen passiert, kann sich jeder selbst vorstellen.

         Als Sie festgenommen wurden, kamen Sie längst nicht das erste Mal nach Russland, Sie hatten dort geschäftlich zu tun. Wie hat diese Geschichte Ihre Beziehung zu Russland, zur russischen Regierung und zu den Russen im Allgemeinen verändert?

         Viele sagen mir oft: Du magst die Russen jetzt sicherlich ganz und gar nicht mehr. Ich sage: Nein. Es geht darum, dass es vollkommen egal ist, welcher Nationalität ein Verbrecher angehört. Wenn die russische Justiz so ein Verbrechen begangen hat, vor allem von ganz von oben, denn in meinem Fall kam der Befehl aus Moskau, und die FSB-Schergen dann vor Ort dies ausführen, dann muss dieses Verbrechen bestraft werden. Und hier geht es nicht um meine persönliche Beziehung, ich empfinde keinen Hass gegenüber diesen Personen, aber ich weiß, dass ein Verbrecher, der nicht bestraft wird, weitere Verbrechen begehen wird. Damit sich das nicht wiederholt, muss man solche Personen bestrafen.

         Warum sind Sie sicher, dass Moskau die Anweisung gab?

         Es gab so ein Fall letztes Jahr kurz vor meinem Geburtstag: Der ukrainischen Seite wurde gesagt, dass die FSB-Leute mich freilassen werden, sie verlängerten meine Haft nicht. Ich wurde am letzten Tag der Haft in die Untersuchungshaftanstalt gebracht zum FSB. Ein Untersuchungsbeamte sagte: Weißt du, ich glaube, wir lassen dich heute frei, es wird also alles gut. Das einzige ist, dass die Leitung gerade mit Moskau redet. Die Leitung – das war der Leiter der Untersuchungsabteilung der Regionalverwaltung des FSB. Die Leitung führt Verhandlungen mit Moskau, schauen wir, wie Moskau entscheidet. Moskau sagte im letzten Moment: Nein, haltet ihn weiter fest. Der Untersuchungsbeamte sagte mir: Entschuldige, nichts Persönliches, ich habe das nicht entschieden, aber du kommst nicht frei.

         Glauben Sie, dass sie einen großen Prozess wie bei Senzow vorbereiteten?

         Ich denke, sie hatten da mehrere Möglichkeiten. Vor allem haben sie gehofft, dass ich doch mit ihnen zusammenarbeite. Sie hofften, dass sie mich nach der Folter mit „gesetzeskonformeren“ Methoden kaputt machen könnten. Ich war in Einzelhaft, das ist sehr hart. Drei Monate alleine, mit psychisch kranken Personen zusammen, mit Provokateuren. Sie haben versucht, mich durch Haft im Karzer fertig zu machen. Das ist ein Raum für harte Strafen, in dem es keine Betten gibt, der nicht gelüftet wird, es brennt nur ein schwaches Licht, Literatur ist nicht erlaubt, man muss die ganze Zeit gehen, denn wenn du dich hinlegst, verkühlst du dir die inneren Organe. Sie haben versucht, mich mehrere Monate lang kaputt zu machen. Doch als sie sahen, dass ich nicht aufgebe und sich ein Skandal schon zusammenbraut, haben sie mich wahrscheinlich deshalb freigelassen.

         Stimmen Sie zu, dass 90% der Personen, die sich in ihrer Situation befanden, wahrscheinlich kaputt gegangen wären und mit dem FSB zusammengearbeitet hätten? Beeindruckend, dass Sie das alles überstanden haben.

         Verstehen Sie, ich bin selbst beeindruckt, dass ich das ausgehalten habe. Ich sehe die Welt jetzt wie ein ganz normaler Mensch und es wundert mich, was ich geschafft habe. Es gab so viele unterschiedliche Provokationen, das sind gefährliche Mittel. Es gab immer sechs FSB-Mitarbeiter, die darüber nachdenken, wie sie dir schaden können, wie sie dich kaputt machen können. Ich sehe mich als sehr glücklichen Menschen an, ich hatte schon sooft Glück und konnte aus den unterschiedlichsten Situationen einen Ausweg finden.

         Wir hoffen, dass niemand von unseren Zuhörern ins Gefängnis und in eine solche Situation kommt, wenn aber doch, welchen Rat würden Sie dann geben?

         Die Welt nur rational zu betrachten, auf gar keinen Fall emotional, die eigenen Gedanken zu kontrollieren. Die größte Gefahr nachdem man gefoltert wurde,  ist der psychische Druck. Ich sah Personen, die nach dem Karzer verrückt wurden: Sie bekamen Depressionen, sie hatten Nervenzusammenbrüche und dann wurden sie verrückt. Täglich muss man an sich selbst arbeiten, sich einen Charakter erarbeiten. Mir haben die Gebete und die Unterstützung durch meine Familie von außen sehr geholfen. Ich habe einen Plan aufgestellt und mich immer an ihn gehalten, ich versuchte immer im Voraus alle möglichen Reaktionsmöglichkeiten von Seiten der FSB-Schergen zu prognostizieren. Sie konnten schon gar nicht mehr alle Möglichkeiten, die ich im Voraus geplant hatte, sehen.

01FFEBC9-BA5E-4E9D-BCFF-A821F3C28AB6_w640_s

Einreiseverbot

         Welche Pläne haben Sie jetzt? Es ist klar, dass Sie nicht mehr mit Elektronik in Russland Geld verdienen können. Haben Sie Ideen?

         Nach der Freilassung habe ich dieses Jahr meine Abschlussarbeit verteidigt und das Studium beendet. Im vergangenen Jahr arbeitete ich gerade an meiner Verteidigung. A propos, die Tatsache, dass ich Jurist bin, hat mir sehr geholfen, in diesem Umfeld zu überleben. Momentan habe ich die moralische Pflicht, zu erzählen, was passiert ist, damit es anderen Personen nicht passiert und regelmäßig die Aufmerksamkeit auf die Probleme der ukrainischen politischen Gefangenen in Russland zu lenken, versuchen, ihnen zu helfen. In Zukunft fände ich es interessant, im Menschenrechtsbereich zu arbeiten oder im Bereich der Kontrolle über die Tätigkeit und den Missbrauch in den ukrainischen Rechtsschutzorganen, das liegt mir am Herzen. Ich möchte also in der Menschenrechtsarbeit tätig sein.

         Ich frage Sie als Teilnehmer des Maidans. Viele in der Ukraine sagen, dass sie enttäuscht sind, die Reformen würden nicht umgesetzt, Verbrecher nicht bestraft. Sind Sie auch so niedergedrückt, oder denken Sie, dass alles, wenn auch langsam, sich in die richtige Richtung bewegt?

         Ich denke, dass, wie die Situation auch immer ist, man sich zunächst die Frage stellen muss, nicht, was der Staat für mich tut, sondern was ich dafür tun kann, damit sich der Staat ändert und verbessert. Die Ukraine ist jetzt in einer Zeit, in der sich wirklich eine Zivilgesellschaft bilden kann, die auf die Regierung einwirken und sie kontrollieren kann. Jetzt ist das Land sehr viel freier. Viel wird von den Menschen abhängen, davon, wie aktiv sie sind, wie jeder an seinem Ort, in seiner Stadt, in seiner Oblast sich in die Kontrolle der Regierung einbringt. Die Mängel unserer Regierung ist allen bekannt. Aber ich bin so ein Mensch, der selbst etwas machen möchte, und nicht nur von jemandem enttäuscht sein.

A5FEE8E3-21B0-4283-9D0B-EDD5BA57F465_w268

Sergej Jazenko hat viel unternommen, um seinen Sohn aus dem Gefängnis zu befreien

         Hat sich in Lwiw während des Jahres nach der Revolution viel verändert?

         Als ich im Gefängnis saß, hörte ich das ganze Jahr lang russisches Radio, außer dem Radio gab es nichts und die Informationspolitik des russischen Radios hat auf mich eingewirkt. Sofort nachdem ich festgenommen wurde, wurde ich gefragt, warum in Lwiw verboten wurde, Russisch zu sprechen und warum bei uns älteren Menschen das Georgsband abgerissen wird. Ich sagte: Nein, es gibt keinerlei Probleme, meine Nachbarn im Erdgeschoss reden Russisch, ich habe viele russische Bekannte, es gibt viele russischsprachige Touristen. Ältere Menschen mit dem Georgsband habe ich sowieso nie in Lwiw gesehen. Nach einem Jahr, als ich vor Gericht gefragt wurde, warum wir, die Bewohner Lwiws, sie, die Russen, so hassen würden und ihre Älteren, ihre Befreier in Lwiw beleidigen würden. Ich wurde gefragt, ob es stimme, dass man in Lwiw nicht mehr Russisch reden darf und wie wir zu Russischsprechenden stünden. Ich hatte schon ein Jahr lang russisches Radio gehört und sagte: Bis zum Krieg hätten wir keine Probleme damit gehabt, aber jetzt herrsche Krieg und Ängste glühten auf. Ich weiß nicht, wie die Lwiwer Bevölkerung auf die russische Sprache reagiert, aber alles ist möglich. Ich kam nach Lwiw zurück und dort wurde jetzt dreimal mehr Russisch gesprochen, da, erstens, die Politik ihre Loyalität zur russischsprachigen Bevölkerung demonstrieren wollte, zweitens, weil es viele Flüchtlinge aus dem Osten gibt, Lwiw ist tatsächlich viel russischsprachiger geworden. Ich wollte sogar eine Einheit zur patriotischen Erziehung in meiner Schule auf Russisch durchführen. Was sich insgesamt also verändert hat, ist die Tatsache, dass sich die Stadt gut entwickelt, Straßen renoviert wurden, es gibt mehr neue Gebäude, eine neue Polizei, tatsächlich vollkommen unabhängige, nicht von irgendjemandem beauftragte Polizisten, sondern Menschen mit hohen Moralvorstellungen. Ich kann das beurteilen, weil ich weiß, wie diese Leute ausgewählt werden, wer genommen wird, ich kenne diese Personen persönlich, das sind Absolventen unserer Universität. Die Lwiwer Fakultät für Rechtswissenschaften ist eine der besten in der Ukraine, dort wird sehr gut ausgewählt.

         Ist eine solche Situation, wie Sie sie erlebt haben, dass Geheimdienste im Gefängnis foltern, auch in der Ukraine vorstellbar?

         Ich denke, dass es möglich ist, ich habe davon allerdings noch nicht gehört. Erstens ist in der Kriegszone alles vorstellbar, es ist dann auch kein Geheimdienst, sondern vollkommen unkontrolliert kann das geschehen. Wenn wir über das Strafvollzugssystem in der Ukraine nach dem Maidan sprechen, das früher schrecklich war, so weiß ich, dass die Inhaftierten, sogar Verbrecher, in den Gebietspolizeiämtern nicht geschlagen werden. Sie sind selbst überrascht: Weißt du, jetzt entschuldigen sich die Polizisten und niemand schlägt, sehr selten, wenn doch mal jemand geschlagen wird, wird das gleich ein großer Skandal in der ganzen Oblast. Deshalb fanden demokratische Veränderungen in den Strafvollzugsanstalten statt, aber viel muss noch verändert werden. Die Ukraine ist noch lange kein demokratisches Land. Nehmen wir eben diese Polizei: Wenn auf unterster Ebene der Polizist, der den Verbrecher festnimmt, zwar kein Schmiergeld nimmt, so kommt der Fall immer weiter nach oben, zur Staatsanwaltschaft, dem Gericht, dort wird dann mit Schmiergeld der Fall weitergeführt und alles nach altem Beispiel entschieden. Es gibt also positive Veränderungen, aber auch noch viele verbleibende negative Spuren.

         Wie ist die Regierung in der Ukraine mit Ihnen umgegangen? Ihnen wurde im russischen Gefängnis gesagt, dass Sie den Orden des Helden der Ukraine bekommen. Hat sich jemand mit Ihnen getroffen, der sich Ihre Geschichte angehört hat?

         Ich hoffte, dass zumindest der ukrainische Geheimdienst kommt und sich mit mir trifft, um herauszufinden, ob ich nicht doch ein Spion bin. Selbst das fand nicht statt. Was gut getan hat, war die Reaktion direkt an der Grenze. Der Grenzbeamte schaute sich meinen Pass an und sagte: „Die Person, auf die wir gewartet haben, ist gekommen. Ich gratuliere Ihnen, Jurij Sergejewitsch.“ Sofort kam der Leiter des Grenzkontrollpunkts und sagte: „Mir wurde die Anweisung gegeben, Ihnen bei allem, was Sie brauchen, zu helfen.“ Es war schön, sie zu treffen. Dann empfingen mich Aktivisten, und dann endete die Anteilnahme der ukrainischen Regierung.   

         Das heißt, weder Abgeordnete, noch der Präsident haben sich für Ihr Schicksal interessiert?

         Zweimal trat ich in der Werchowna Rada auf und auch das war nicht auf Initiative der Abgeordneten selbst, sondern der Organisation „Euromaidan SOS“, die versuchte, das Thema der ukrainischen politischen Gefangenen nach oben auf die Tagesordnung zu setzen. Ich wurde dem Außenminister vorgestellt, wir haben uns kurz unterhalten. Ich habe auch den Gouverneur kennengelernt, auch ein kurzes Gespräch. Und das war’s dann.   


 

Artikel von: Dmitrij Woltschek
Quelle: Radio Free Europe / Radio Liberty, 25.9.2015

Schlagworte:, , , , ,