Auf Rosa Luxemburg gespuckt: Deutsche Linke auf Moskauer Friedensfahrt

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Analytik und Meinungen, Krieg im Donbas, Meinung & Analyse, Russland

Quelle: Anna Veronika Wendland (Facebook)

Wer sich gefragt hat, ob die antifaschistischen Friedenskämpfer Hunko und Gehrcke, Bundestagsabgeordnete der Linken, das Interesse an der Ukraine verloren haben, weil momentan allgemein eine politische Ukraine-Ermüdung in Berlin zu beobachten ist, der hat sich leider zu früh gefreut.

Jetzt sind die beiden, Bulgakov hätte gesagt svjatoshi, diese bigotten Scheinheiligen und Soli-Marschierer des stalinrot lackierten russischen National-Sozialismus, mal wieder mit humanitärer Hilfe, bei der neben vielen deutschen linken Spendern auch eine Moskauer Fast-Regierungs-Organisation etwas nachgeholfen hat, im Donbass aufgetaucht; wieder unter Bruch ukrainischen Rechts, und wieder mit der Legende im Gepäck, ausschließlich die Ukraine beschieße ihr eigenes Gebiet und hungere die Bevölkerung des von prorussischen Milizen und russischer Armee besetzten, will sagen von Freiheitskämpfern gehaltenen Gebiets aus.

Glücklicherweise gibt es eine unbestechliche Charkover Menschenrechtsgruppe (s. Link), welche den Kriegstouristen auf jedem ihrer Schritte nachrecherchiert und festgestellt hat, dass die humanitäre Krise, die sie lautstark bejammern, vor allem damit zu zun hat, dass die neuen Machthaber alle ukrainischen und internationalen humanitären Organisationen unter Gewaltandrohung aus diesen Gebieten vertrieben haben. So macht sich die Rote und Rotbraune Hilfe der deutschen Linken, der russischen Nats-Boly, Kosaken und der amtlich-russischen humanitären Waffenkonvois – wir zählen in diesen Tagen die Nummer 45 – umso besser aus. Unnötig zu erwähnen, dass der Krieg im Windschatten von Islamfaschismus und russischen Syrienabenteuern inzwischen wieder an Fahrt aufgenommen hat.

Außerdem nahmen die beiden deutschen Linken an einer “Menschenrechtskonferenz” über die Ukraine in… natürlich nicht in der Ukraine, sondern in Moskau teil. Soweit geht er denn doch nicht, der Antifaschismus, dass man im Kiewer Herzen der Finsternis sein Leben riskieren und direkt den Kampf mit dem Gegner aufnehmen wollte, oder wenigstens in Charkiv, wo man sich über echten, unerschrockenen und keine Seite schonenden ukrainischen Menschenrechtsaktivismus – in einem Worte, ein echtes emanzipatorisches Projekt -informieren könnte.

An der Moskauer Konferenz nahmen neben der deutschen Gehrcke-Hunko-Solidarabgabe auch einschlägig bekannte ukrainische VertreterInnen des im Heimatland “verfolgten” russischen Stalinismus und Nationalbolschewismus teil, neben russischen Schwulenhassern und Berufs-Ukrainophoben, die natürlich ständig beteuern, wie sehr sie um die Ukraine besorgt seien.

Aus reiner Liebe zum ukrainischen Menschenrecht folgten sie daher alle mit Wohlgefallen den Tiraden eines Moskauer Stadtverordneten, der sich der “Säuberung des banderistischen Untergrundes” in Moskau verschrieben hat. Halt, ist es dann nicht auch in der russischen Hauptstadt zu gefährlich für unsere Antifaschisten? Womöglich werden sie beim Spaziergang auf dem Arbat von den Waldbrüdern mit Schmeißer-MPs erledigt? Nein, Entwarnung. Der russische Kampfgenosse meinte nur die zersetzende ukrainische Literatur der 1960er bis 2000er, die aus Moskauer Bibliotheken geräuchert werden soll, allen voran aus der schon mehrfach gesäuberten und von Verhaftungsaktionen heimgesuchten Ukrainischen Bücherei. Dort müssten eigentlich nur noch russische Bücher zu finden sein, wo in Moskau doch jedes Kind weiß, dass schon das Denken in ukrainischer Sprache den Tatbestand der NS-Wiederbetätigung erfüllt.

Mitfinanziert und mitausgerichtet hat dieses Ereignis des Menschen- und Sprachenrechtekampfes für eine russische Ukraine übrigens die deutsche Rosa-Luxemburg-Stiftung. Ja, Sie haben richtig gehört: Rosa. Luxemburg. Die von Freikorps-Faschisten ermordete Kommunistin mit dem schönen Wort von der Freiheit des Andersdenkenden und dem Hass gegen alles nationale Pathos und alle nationalen Projekte. Was sie wohl sagen würde zu diesen Linken mit ihrer sonderbaren Blindheit auf dem russisch-nationalen Auge und ihrem Posemachen mit Doppeladlerfahnenträgern und Bücherverbrennern?

Rosa, die konnte nichts anfangen mit der ukrainischen Staatsidee, aber noch weniger mit den Doppeladlerrussen und Schwarzhundertern, die schon damals ebenso gute Ukrainerhasser wie Antisemiten waren. Nationalbolschewiki konnte sie noch nicht kennen – die entstanden erst nach ihrem Tod mit der Einwanderung des antisemitischen zaristischen Kleinbürgers und Tschinowniks in den russischen Kommunismus, und mit dem Aufstieg des kleinen Sadisten Dschugaschwili zum Völkervater Stalin.

Die heutigen Rosa-Luxemburg-Stiftler, die solche Veranstaltungen des Nationalen immer dann finanzieren, wenn das Nationale russisch daherkommt und mit ein paar Antifafloskeln aus der stalinschen Klamottenkiste verbrämt wird, wissen vielleicht wirklich nicht, was sie tun: aus krasser Unkenntnis Russlands, der Ukraine, und der Geschichte beider Länder sowieso.

Womöglich wissen sie auch nicht, oder wollen nicht wissen, dass die von ihnen logistisch und ideologisch, indirekt und direkt geförderten Gewaltunternehmen im Donbass mit ihren Gegnern – Gewerkschaftern, Menschenrechtlern, missliebigen Lokalpolitikern – gerne das machen, was die deutschen Hakenkreuz-Stahlhelmträger seinerzeit mit Rosa und Karl getan haben: mit Gewehrkolben totschlagen, erschießen, verstümmelt in die Flüsse schmeißen. Wer als Linker mit solchen Leuten oder ihren Unterstützern an einem Tisch sitzt, der kann ebenso gut auf die Gräber Rosas und Karls spucken.

Quelle: Anna Veronika Wendland (Facebook)

Bild: DNR-Website

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