18-jähriger Russe, der wegen Unterstützung der Ukraine verfolgt wurde, nimmt sich das Leben

Wlad Kolesnikow

Wlad Kolesnikow 

26. Dezember 2015 • Empfehlung, Menschenrechte, Nachrichten, Russland, Soziales

Artikel von: Halya Coynash
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 26.12.2015

Radio Liberty meldet, dass sich der 18-jährige Russe Wlad Kolesnikow das Leben genommen hat – sechs Monate nachdem er wegen seiner prinzipiellen Ablehnung der russischen Annexion der Krim seine Wohnung und seinen Studienplatz verlor und eine Mobbing-Kampagne gegen ihn organisiert wurde  [Euromaidan Press berichtete]. Wlad starb am 25. Dezember an einer Überdosis Medikamente.

Wlad wurde weit über die Grenzen Russlands hinaus bekannt, weil er es wagte, in einem T-Shirt mit der ukrainischen Fahne und der Aufschrift “Gebt die Krim zurück” herumzulaufen, sowie ein Anti-Kriegs-Plakat an seinem Technischen Institut in Podolsk (Oblast Moskau) anzubringen. Wlad berichtete von dem offenen Hass auf dem Gesicht eines Schulbeamten, nachdem dieser sein T-Shirt sah, von den ersten Drohungen eines anderen Studenten und dann einem Angriff von einer Gruppe seiner Mitschüler. Daraufhin wurde die Polizei eingeschaltet, aber diese interessierte sich vor allem dafür, woher er sein T-Shirt erhalten hatte.

Nach diesem Angriff erfuhr sein Großvater, bei dem er lebte, von den Ansichten und dem angeblich “aufrührerischen” Verhalten seines Enkels. Der ehemalige KGB-Offizier und stramme Unterstützer des herrschenden Regimes sagte sich de-facto komplett von seinem Enkel los, beschimpfte ihn auf schlimmste Weise, nannte ihn Feind und Verräter, und sorgte dafür, dass er von seinem College geworfen wurde – offiziell “auf eigenen Wunsch”. Er wurde daraufhin zu seinem Vater in die Oblast Schyguljowsk geschickt – offensichtlich fiel es ihm dort nicht leichter, eine gemeinsame Sprache mit seinen Verwandten zu finden.

Im Juni erzählte er dem Korrespondenten Dmitri Woltschek von Radio Liberty, dass alle Demokraten in Russland für ihre Ansichten ins Exil getrieben würden, und er selbst fühle, dass man ihn ins Exil treiben würde.

Wlad hatte zuvor den Zorn des lokalen Beamtenapparats auf sich gezogen, nachdem er zur Musterung gerufen wurde, um ihm seinen Einberufungsbescheid zu übergeben. Wlad berichtete, dass er mit Hilfe seines Handys vor der Kommission die ukrainische Nationalhymne abgespielt hatte und erklärte, dass es für ihn eine Schande sei, in der russischen Armee zu kämpfen.

Die Kommissionsmitglieder entschieden sich, weiteren Unannehmlichkeiten mit dem jungen Mann aus dem Weg zu gehen, indem sie ihm einen Bescheid reichten, der ihm eine “Persönlichkeitsstörung” bescheinigte.

Es ist schrecklich ergreifend jetzt noch einmal die Berichte vom Juni diesen Jahres und Wlads Facebookseite zu lesen. Im Juni erhielt er viel internationale Unterstützung und eine große Anzahl an Facebook “Freunden” und Anhänger.

Vermutlich besaß er niemanden in seiner direkten Umgebung, der ihn wirklich unterstützte, oder von dem er sich nicht gänzlich entfremdet fühlte.

Man hatte auch versucht zu verhindern, dass er in Facebook schrieb, aber in den letzten Monaten konnte er verfolgen, was in Russland passierte: so meldete er die Verhaftung des Demokratieaktivisten Ildar Dadin, die Verhaftung der Direktorin der Ukrainischen Bibliothek und vieles mehr.

Eine der Personen, die unter Wlads letztem Eintrag kommentiert, schreibt: “Es gibt keine Worte mehr, nur noch ein Gefühl des Schams, für ein Land, dass seine Zukunft tötet.”

Ruhe in Frieden, Wlad!
– das bedeutet so wenig, aber du wirst bitter vermisst.

Halya Coynash
und die Übersetzer*innen von Euromaidan Press auf Deutsch

Artikel von: Halya Coynash
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe, 26.12.2015

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