Anna-Veronika Wendland: PACK VERTRÄGT SICH

Pegida_Dresden_01

 

10. Januar 2016 • Analytik und Meinungen, Meinung & Analyse, Nachrichten

Artikel von: Anna-Veronika Wendland
Quelle: Facebook, 9.1.2016

Deutsch-russische Freundschaften im Pegidaland

Heute las ich im Leipziger Stadtmagazin KREUZER (Nr. 01/16, S. 14) eine interessante Nachricht aus dem Leipziger Land. Dort trafen sich in einem Gasthof in Audenhain, dem “Trailer”, zusammengetrommelt von dessen scheinheiligen Gastwirt und der rechtsextremen “Legida”, dem Leipziger besonders pathologischen Sonderfall der “Pegida”, die üblichen besorgten Bürger. Das ganze wurde angemeldet als Gesprächsforum über “Demokratie” und “Dialog”, weil im Ort demnächst Flüchtlinge zur Unterbringung erwartet würden.

Allerdings äußerte sich die Bereitschaft zum “Dialog” mit der wenig dialogisch klingenden Suggestivfrage im Veranstaltungstitel, ob denn die “wahren Ursachen” von “Waffenhandel, Kriegsterror, Flüchtlingsstrom” und ein paar anderen Übeln, die ich nicht behalten habe, von der Regierung und den “Mainstreammedien” “verschwiegen” würden. Als Prügelknabe herhalten durfte dafür ein tapferer Abgeordneter der CDU, der in der Veranstaltung für Merkels Politik heruntergeputzt wurde.

Dafür gaben die erwartbaren Antworten andere – die Männer im Saal; nur die nämlich, meist Mitglieder oder Anhänger der AfD, äußerten sich bei der Veranstaltung, bei der auch ein Infostand der Querfrontpostille “Compact” für die nötige ideologische Aufrüstung sorgte. NATO, USA und Westen seien schuld, es werde Zeit, dass Deutschland wieder “souverän” werde und sich seine Bündnispartner selber aussuche.

Wer Zweifel hatte, wer dieser selbstausgesuchte Partner aus der Perspektive der AfD-Kursachsen sein könnte, dem wird durch den Ehrengast der Provinzzusammenrottung Klarheit verschafft. Das war nämlich ein Vertreter der Botschaft der Russländischen Föderation, Aleksandr Miljutin, der extra aus Berlin angereist war, um den Anwesenden das heimelige Gefühl des Nachhausekommens in den Mief der DDR zu bereiten, in dem sein oberster Dienstherr als weiland Dresdener KGB-Resident einen besonders strengen Geruch verbreitete.

Miljutin hetzte nämlich gegen das globale “Großkapital” als Hauptschuldigen – und wir wissen, was das ist für die derzeit herrschende Klasse in Moskau, Budapest und neuerdings auch wieder Warschau, und für den gemeinen Pegidapöbler und Elsässer-Hintersassen, der sich bislang noch nach der Machtergreifung in Berlin verzehrt: das ist das raffende, nicht das schaffende Kapital, das Kapital der amerikanischen und “jüdischen” Demokratiefonds-Patrone wie George Soros, die in östlichen Landstrichen gerne Majdan-Putsche organisieren und biedere Kleinrussen gegen Papa Putin aufhetzen, und in westlicheren Gefilden, unterstützt von Hochfinanz und Lügenpresse, Flüchtlingsflutwellen freisetzen.

Warum tut sich ein Herr Miljutin das an, der Diplomat im feinen Tuch diesen ostdeutschen Niederbrüllaffenhinterwald? Bestimmt nicht, weil er es in der Dahlener Heide so schön findet oder weil er persönlich was gegen das Großkapital an sich hat, das sich in seiner Heimat als Mafiastaat mit schlechtem Architekturgeschmack und guten Beziehungen zum Ostausschuss der deutschen Wirtschaft etabliert hat.

Nein, solche Dinge tun sich russische Beamte nur an, wenn und weil sie müssen. Weil sie aus Gründen der russischen Staatsraison sich im Geschäft halten müssen. Weil sie erspüren müssen, wer sich aus dem rechten Bodensatz der winterlichen sächsischen Provinz womöglich in ein paar Jährchen zum loyalen Gebiets-, Gau- oder Parteileiter wird hochgedient haben, und welche Partei sich besonders gut zum Anfixen durch russische Billigkredite und feine Einladungen in russische “konservative” Denkfabriken eignet. Früh übt sich, und was aus der Provinzwüterei geboren wurde, wird vielleicht irgendwann zu einer Marine Le Pen oder zu einem Orbán oder Kaczynski und marschiert auf die Hauptstadt.

Das Potenzial ist enorm. Beim Blick auf die Facebook-Seite “Freundschaft Deutschland – Russland”, die in ihrer Präambel, um erst gar keine Zweifel aufkommen zu lassen, Russland mit Vladimir Putin gleichsetzt, finden wir in den Threads keinen einzigen Eintrag oder Link zur deutsch-russischen Freundschaft, Verständigung oder meinetwegen auch nur zum gemeinsamen Wodkasaufen. Stattdessen finden wir laufende Meter rassistischer Propaganda, Hetze gegen Andersdenkende und pegidoider Angriffe auf “Lügenpresse” und Flüchtlingsunterstützer.

Mehr ist nicht zu sagen zu diesem allmählich sich anbahnenden deutsch-russischen Sichvertragspack, das über die historischen deutsch-russischen Pakte der Vergangenheit, zum Beispiel jenen von 1939, geschichtsklitternd wegschlittert. Wir sollten uns nur wappnen, um nicht eines Tages böse aufzuwachen, nach einer Bundestagswahl, an der nur 40% der Wahlberechtigten teilgenommen haben und in der eine Koalition aus xenophoben und völkischen Parteien mit fetter Rubel-Kriegskasse die verfassungsändernde Mehrheit erringt, um sich in den folgenden Wochen den Staat zur Beute zu machen. Das sei hierzulande nicht möglich, höre ich. Hörte ich. In Polen und auch anderswo.

Artikel von: Anna-Veronika Wendland
Quelle: Facebook, 9.1.2016

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