Reshat Ametov – ermordetes Symbol des Widerstands gegen die russische Okkupation der Krim

Familienvater Reshat Ametov vor seiner Ermordung

Familienvater Reshat Ametov vor seiner Ermordung 

Empfehlung, Krim, Menschenrechte

Artikel von: Halya Coynash
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe (KHPG)

Zwei Jahre sind vergangen, seit Reshat Ametov (39 Jahre) auf die Straße ging, um schweigend gegen die russischen Soldaten zu protestierten, die die Kontrolle über seine Heimat, die Krim, übernommen hatten.

Der Krimtatar und dreifache Vater wurde am 3. März 2014 von pro-russischen Paramilitärs vor dem Parlamentsgebäude in Simferopol entführt. Sein von Schlägen gezeichneter und schlimm verstümmelter Körper wurde am 15. März 2014 aufgefunden. In der Nähe lagen Handschellen, Ametovs Kopf war mit Klebeband umwickelt. Die Folterer hatten eine Art Messer verwendet – er starb an einem Gehirnschaden, nachdem sie ihm die Augen herausgeschnitten hatten.

Obwohl Videomaterial existiert, auf dem Reshats Entführer deutlich zu sehen sind, kam es zu keinen Verhaftungen, und die Ermittlungen wurden vor einem Jahr eingestellt.

Zarina Ametova sprach vor Kurzem mit Journalisten der Nachrichtenagentur QHA über das letzte Mal, als sie ihren Mann gesehen hatte, über die “Untersuchung” des Mordes an ihm, und darüber, wie man sie beobachtete.

Am 3. März 2014 wusste sie nicht, was ihr Mann vorhatte. Sie hatte eben ihr drittes Kind geboren, Usnieshke, und sagte, dass sie natürlich versucht hätte, ihn aufzuhalten, wenn sie davon gewusst hätte. Er hatte aufgepasst, dass sie nicht mitbekam, wie er auf Facebook für Montagmorgen um 8 einen stillen Protest vor den Regierungsgebäuden ankündigte.

Später erfuhr sie, dass er am Vorabend zu Freunden gegangen war, um diese zu bitten, sich an seinem stillen Protest zu beteiligen. Er sprach mit 30 Männern, die das Dorf bewachten. Doch alle hatten Angst, und rieten ihm, ebenfalls auf die Aktion zu verzichten. Sie erinnerten ihn daran, dass er kleine Kinder hatte.

Ametov ging alleine, und stand dort für eineinhalb bis zwei Stunden, bevor er verschleppt wurde. Aus dem Video geht hervor, dass er erst begann, sich zu wehren, als man ihn in ein Fahrzeug zwingen wollte, und ihm die Gefahr offensichtlich bewusst wurde.

Eskender Bariev, Mitglied der Medschlis [des Parlaments, das gerade verboten wird] der Krimtataren und Koordinator des Krimtatarischen Menschenrechtskomitees, ergänzt, dass Ametov eine ukrainische Fahne bei sich trug, und allen Journalisten, die auf ihn zukamen, erklärte, dass er sich dort befand, um die Einheit der Ukraine zu unterstützen.

Als offizieller Grund für die Einstellung des Ermittlungsverfahren wurde angegeben, dass der “Mordverdächtige” im Donbas kämpfen würde. Ametovs Ehefrau ist verbittert über diese Ausrede, und betont, dass das Video zeigt, dass nicht nur eine Person verantwortlich ist, und die beteiligten Personen dort auch sehen kann.

Mitte Februar 2016 wurde sie von einem Ermittlungsbeamten besucht, der ihr sagte, dass die Untersuchung wieder aufgenommen würde. Das erscheint allerdings fraglich, da der Beamte behauptete, man könne auf dem Video nichts erkennen, und stattdessen Ametovs Bruder Refat verhörte.

Über die jetzige Situation befragt, sagt Zarina Ametova:

“Wie lange können sie noch damit fortfahren, uns ständig zu belästigen? Es ist schrecklich, furchteinflößend… wie lange kann das noch dauern? Du läufst alleine und weißt nicht, ob du es nach Hause schaffst. Ich fühle mich die ganze Zeit verfolgt, weil sie mich verfolgt haben. Da war ein Auto, immer wieder dasselbe – ein schwarzer Opel, er fuhr mir auf dem Weg zum Kindergarten hinterher. Als ich das Auto sah, vergaß ich alles, meine Hände zitterten.”

Das war ein Jahr nach dem Mord an ihrem Ehemann.

Ihre älteste Tochter war drei Jahre alt, als Ametov ermordet wurde. Sie verehrte ihren Vater und sein Verschwinden setzte ihr schwer zu. Es scheint, dass sie immer noch auf seine Rückkehr wartet. Zarinas Sohn versteht, dass sein Vater getötet wurde, aber beim Essen sagt er seiner Mutter, dass sie nicht nur zu viert seien. “Babashka (Papa) sitzt mit uns hier. Er ist immer bei uns.”

Bariev bezeichnet Ametov als Symbol des Widerstands gegen die russische Aggression 2014 und des Kampfes für die territoriale Integrität der Ukraine. Zwar wurde er zum Volkshelden der Ukraine ernannt – aber das ist lediglich eine inoffizielle Auszeichnung. Bariev hat sicherlich Recht, wenn er sagt, dass Reshat Ametov als erstes Opfer der Aggression, und wegen seiner Zivilcourage, alleine gegen die Besatzungsmacht auf die Straße zu gehen, posthum die Auszeichnung “Held der Ukraine” verdient hat.

Mit tiefstem Respekt und im Gedenken.
Halya Coynash, die Charkiwer Menschenrechtsgruppe,
und die Übersetzer von Euromaidan Press.

Artikel von: Halya Coynash
Quelle: Charkiwer Menschenrechtsgruppe (KHPG)

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