Institut für Religionsfreiheit: Religiöse Verfolgung im besetzten Donbass geht weiter

Gräber von vier evangelikalen Christen, die 2014 von Separatisten in Slowjansk ermordet wurden

Gräber von vier evangelikalen Christen, die 2014 von Separatisten in Slowjansk ermordet wurden
 

1. Oktober 2016 • Analytik und Meinungen, Menschenrechte, Nachrichten

Artikel von: Maksym Wasin
Quelle: Institut für Religionsfreiheit, 29.9.2016

In seiner Rede auf dem “Human Dimension Implementation Meeting” der OSZE berichtete Maksym Wasin, Direktor des Instituts für Religionsfreiheit, über religiöse Verfolgung im besetzten Donbass.

In der Donbass-Region im Osten der Ukraine werden jetzt seit über zweieinhalb Jahren grundlegende Menschenrechte verletzt. Die von Russland unterstützten Separatisten spielen systematisch die religiöse Karte, um ihre erzwungene Herrschaft zu stärken und jede Art von Widerstand zu beseitigen.

Statt Religionsfreiheit und Pluralismus, wie sie den übrigen Gebieten der Ukraine inhärent sind, wird in den besetzten Gebieten Religion als Grund für Durchsuchungen von Kirchen, Verfolgung von Gläubigen, Folter und sogar den Mord an Priestern und Zivilisten eingesetzt. Unter den Gefangenen befindet sich Professor Ihor Koslowsky, ein Religionswissenschaftler, der bereits seit über 8 Monaten festgehalten wird – ihm wird die Unterstützung religiöser Minderheiten vorgeworfen.

Zahlreiche Tempel und Kultstätten bleiben unter Kontrolle der von Russland unterstützten Separatisten und werden häufig als militärische Einrichtungen verwendet. Darunter befinden sich zum Beispiel auch Gebäudekomplexe der Christlichen Universität Donezk, das Bibelinstitut der [evangelikalen Jugendbewegung] “Word of Live” in der Tkachenko Straße 100 in Donezk, sowie mehrere Gotteshäuser der Mormonen und Zeugen Jehovas.

Vor einem Jahr hat Alexander Sachartschenko, der die Donezker Separatisten anführt, erklärt, dass er “aktiv gegen alle Sekten kämpfen” werde. Danach gab es eine neue Welle der religiösen Verfolgung evangelikaler Christen, orthodoxer Christen des Kiewer Patriarchats, griechisch-katholischer Christen und anderer religiöser Minderheiten.

Im September 2015 organisierten die Separatisten eine Demonstration vor einem baptistischen Gotteshaus in der Stadt Schachtarsk, bei der die Verbannung von “Sekten” aus der “Donezker Volksrepublik” gefordert wurde. Vor kurzem, bereits 2016, wurde vor der griechisch-katholischen Kirche in Donezk eine ähnliche Kundgebung organisiert. Auch Kleinkinder, Grundschüler und Studenten trugen dabei Banner und Plakate mit politischen Slogans und hasserfüllten Aufrufen gegen religiöse Minderheiten.

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Kinder halten Plakate während einer Demonstration im Jahr 2016

Wir empfehlen den [OSZE-]Teilnehmerstaaten das Mandat der OSZE-Sonderbeobachtermission in der Ukraine um die Untersuchung der zahlreichen Fälle religiöser Verfolgung in den Gebieten des Donbass zu erweitern, die von den durch Russland unterstützten Kämpfern kontrolliert werden. Auch ist es notwendig, nach einer solchen Überwachung einen Sonderbericht über die Lage der Menschenrechte im Osten der Ukraine vorzubereiten. Die Frage der Religionsfreiheit (in den besetzten Gebieten) sollte auch Teil der Verhandlungen von Minsk und bei Verhandlungen im Normandie-Format werden.

Die OSZE sollte das Grundrecht auf Religionsfreiheit für diejenigen verteidigen, die täglich unter der russischen Aggression im Osten der Ukraine zu leiden haben.

Artikel von: Maksym Wasin
Quelle: Institut für Religionsfreiheit, 29.9.2016

Übersetzt von: DAS-UkraineForum.de

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